Kai Bliesener: Hotel Silber - neue Zeit, alte Schuld
Reihe Paul Kramer (1)
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Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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„Die im Dunkel sieht man nicht“
Dass ausgerechnet im berüchtigten „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Stuttgarter Gestapo, die neue Kriminalpolizei ihre Heimstatt haben soll, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn noch wenige Tage vor dem Kriegsende haben die Schergen des NS-Regime Dutzende Menschen dort gefangen gehalten, gefoltert und ermordet.
Einer davon ist Paul Kramer, ehemaliger Polizist und Sozialist, der gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist. Ihn hält daher die US-Army prädestiniert dafür, am Aufbau der neuen Kriminalpolizei mitzuwirken. Natürlich sind Ideologie und Indoktrination nicht über Nacht verschwunden und die Entnazifizierungsverfahren sind mehr Schein als Sein. So trifft Paul Kramer wieder auf seine Widersacher und Peiniger, die alles daran setzen, sowohl ihn einzuschüchtern als auch ihre Verbrechen zu vertuschen.
So wird die Aufklärung des Mordes an Vera Wallner, die gemeinsam mit ihrer Familie fliehen wollte und verraten worden ist, die erste Bewährungsprobe für Paul Kramer.
Hilfe bei seiner Arbeit erhält Paul Kramer von Hilde Jäger, der Tochter eines eingefleischten Nazis, die sich von ihrer Familie lossagt, und als Schreibkraft bei der US-Army arbeitet.
Meine Meinung:
Autor Kai Bliesener lässt uns Leser in eine Zeit eintauchen, in der das Alte noch nicht wirklich weg ist und das Neue noch nicht Fuß gefasst hat. Doch wenn ich mir die aktuellen Nachrichten Nachrichten ansehe, scheint es, als hätte das ewig Gestrige nur einen Winterschlaf gehalten, um nun wieder sein böses Haupt zu erheben.
Sowie in Stuttgart das „Hotel Silber“ als Hauptquartier der Gestapo gedient hat, ist es in Wien das „Hotel Metropol“, das von 1938 bis 1945 als Haus des Schreckens bekannt gewesen ist. Es gibt allerdings einen Unterschied: Da es durch zahlreiche alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt worden ist, hat man das Gebäude im Jahr 1948 abgerissen. An seiner Stelle befindet sich heute ein Denkmal.
Die von Kai Bliesener penibel recherchierten und erschreckend realistisch beschriebenen Szenen haben sich so oder so ähnlich in allen anderen Städten des Dritten Reiches abgespielt.
Das dunkle Cover mit dem imposanten Gebäude vermittelt schon ein beängstigendes Gefühl.
Fazit:
Diesem sauber aufgelösten, historischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung