Yukito Ayatsuji: Die Toten in der Wassermühle
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Alles passiert in einem ungewöhnlichen Haus, genannt das „Mühlen-Haus“, mehr Burg als Wohnhaus, tief in den japanischen Bergen in dem ein maskierter Hausherr mit seiner Frau und seinem Butler lebt.
Das Anwesen beherbergt eine wertvolle Kunstsammlung und ist Schauplatz von Verbrechen, die sich zunächst kaum zuordnen lassen: „Die Toten in der Wassermühle“ ist ein Kriminalroman, der seine Spannung weniger aus temporeicher Action als aus Konstruktion, Atmosphäre und zu lösenden Rätseln gewinnt.
Alles passiert im sogenannten Mühlen-Haus, einem herrschaftlichen und zugleich unheimlichen Anwesen, das nur einmal im Jahr für eine kleine Gruppe geladener Kunstliebhaber geöffnet wird. Der Besitzer Kiichi Fujinuma lebt dort zurückgezogen mit seiner jungen Ehefrau und einem Butler. Nach einem Unfall ist er entstellt und verbirgt seither sein Gesicht hinter einer Maske und kann sich nur in seinem Rollstuhl fortbewegen.
Das Anwesen beherbergt eine wertvolle Bildersammlung, das gesamte Wert wurden von Kiichis verstorbenem Vater und war ein Jahr zuvor Schauplatz von ungeklärten Todesfällen, überdies verschwand damals ein Mann spurlos und eines der Gemälde wurde gestohlen.
Jetzt, auf den Tag genau ein Jahr später, kehren Gäste von damals an diesen Ort zurück, und mit ihnen auch die Fragen, die damals unbeantwortet geblieben sind. Als ungebetener Gast erscheint auch in der Person des Detektivs Kiyoshi Shimada der versucht, das Geheimnis der Vorgänge zu lösen und aus den vielen Einzelteilen ein Bild zu formen, das endlich Sinn ergibt.
Der Roman umfasst etwas weniger als 350 Seiten und ist in zwei Erzählstränge gegliedert. Der eine führt zurück zu dem, was genau ein Jahr zuvor geschah, der andere schildert die Ereignisse der Gegenwart. Dass diese beiden Ebenen am Ende zusammenfinden werden, ist natürlich zu erwarten. Doch wie diese Verbindung aussehen kann, bleibt lange verborgen – irgendwo in den Gängen, Räumen und gedanklichen Falltüren des Mühlen-Hauses.
Genau darin liegt ein großer Reiz des Buches. Ayatsuji erzählt nicht einfach nur, dass etwas Unerklärliches geschehen ist. Er baut sein Rätsel so auf, dass man als Leser immer wieder meint, einen Zusammenhang zu erkennen, nur um kurz darauf festzustellen, dass sich doch wieder eine neue Unsicherheit auftut.
Besonders beeindruckt mich die Struktur der Handlung. Der Kriminalfall wirkt erst einmal verwirrend, fast über konstruiert. Auch wenn alles zunächst unübersichtlich erscheint, so habe ich doch immer den Eindruck, dass jedes Detail schon an seinem Platz steht, auch wenn dieser Platz lange nicht erkennbar ist. Das Mühlen-Haus ist dabei mehr als nur eine Kulisse.
Wie oft in klassischen Rätselkrimis spielt der Raum selbst eine entscheidende Rolle. Zimmer, Wege, Zugänge, Abgeschlossenheit und die besondere Atmosphäre des Hauses bestimmen das Denken der Figuren ebenso wie die Überlegungen der Leserinnen und Leser. Man bewegt sich lesend durch dieses Haus tastet sich von Hinweis zu Hinweis und merkt doch, dass man den eigentlichen Mechanismus noch nicht verstanden hat. Der Plan des Hauses, gleich am Anfang des Buches abgedruckt, ist dabei äußerst hilfreich.
Für mich sehr angenehm ist auch, dass die Figuren trotz japanischer Namen gut unterscheidbar bleiben. Gerade bei japanischen Romanen fällt es mir manchmal gar nicht so leicht, mir die Namen und Beziehungen dauerhaft zu merken, vor allem wenn viele Personen auftreten. Hier ist das anders. Die Figuren sind klar genug definiert, ihre Rollen im Geschehen sind klar nachvollziehbar, und die Handlung verliert sich nicht in einem unübersichtlichen Personenverzeichnis. Das ist für einen Krimi dieser Art wichtig, denn nur so kann man als Leser wirklich miträtseln, ohne ständig zurückblättern zu müssen.
Wenn die „New York Times“ über diesen Roman schreibt, dass er eine Verbeugung vor Agatha Christie ist, dann kann ich dem nur zustimmen. Ayatsuji schreibt erkennbar in der Tradition des klassischen Detektivromans. Verschlossene Räume, unmögliche Verbrechen, abgelegene Schauplätze – das findet man oft und deshalb ist es auch gar nicht leicht, neue, spannende Varianten davon zu (er)finden. Hier gelingt es ausgesprochen gut (was natürlich auch mit der in der Atmosphäre des Romanes deutlich werden japanischen Herkunft liegt).
Die Atmosphäre des Mühlen-Hauses, die zwei ineinandergreifenden Zeitebenen und die zunächst verwirrende, am Ende aber durchdacht wirkende Konstruktion machen den besonderen Reiz des Buches aus. Für mich war es ein ausgesprochen fesselnder Krimi – einer, bei dem man weniger durch Tempo als durch Neugier vorangetrieben wird und am Ende merkt, dass die Stunden beim Lesen beinahe unbemerkt vergangen sind.
Ich habe den Roman in einem Schwung durchgelesen und dabei gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht. Das ist wohl eines der besten Komplimente, die man einem Krimi machen kann.