Rebecca Taylor McKay: Er lügt
Autorin/Autor:
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Andreas
Online bestellen:
Dass es ein Geheimnis gibt, das wohl erst später im Buch enthüllt wird, ist schon nach wenigen Sätzen klar.
Clara Carmichael, die ich-Erzählerin, findet es schwierig sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, wenn nicht in ihrem ganzen Leben. Ihr Ehemann Spencer, kümmert sich liebevoll um sie, fürsorglich, schon zu fürsorglich wird man bald meinen. Ein Jahr, erfährt man, sind sie verheiratet und kommen gerade für einen mehrwöchigen Urlaub in Positano an der Amalfiküste an. Einfach nur traumhaft, wäre da nicht das, was im zurückliegenden Jahr geschehen ist. Und wäre da nicht der Zettel mit der an sie gerichteten knappen Botschaft:“er lügt“.
Gleich nach ihrer Ankunft machen Clara und Spencer die Bekanntschaft von Vivian und Fred, eines anderen Paares auf Flitterwochen. Eine Begegnung die bei Spencer eine derart abwehrende Reaktion hervorruft, die Clara nicht nachvollziehen kann; als ob Spencer etwas über die beiden wüsste. Im selben Hotel einquartiert lassen sich auch in den folgenden Tagen weiter Begegnungen nicht vermeiden. Während Spencers Abneigung gegenüber Fred immer deutlicher wird, beginnt Clara dessen Gegenwart zu genießen. Aber herrscht da zwischen Vivian und Spencer nicht eine kaum merkbare Verbindung?
In eingeschobenen Kapiteln enthüllt sich langsam das, was seit der Hochzeit geschehen ist. Wie Clara jede Erinnerung an die Wochen und Monate nach der Hochzeit verlor, wie ihr dieser schwarze Fleck in ihrer eigenen Vergangenheit die Selbstsicherheit und die Lebensfreude nahm.
Die Story kommt langsam, beinahe bedächtig voran, ohne dabei an der Spannung zu verlieren, die hinter allem liegt.
Welche Verbindungen zwischen Clara, Spencer, Vivian und Fred bestehen, warum Clara den Eindruck hat, dass einige der Angestellten des Hotels sie in besonderer Weise betrachten – das wird Schritt für Schritt deutlicher. Es sind aber keine überraschenden Wendungen, die die Handlung voranbringen, sondern die Erkenntnisse, die sich aus dem ergeben, was geschieht. So mag man beim Lesen einiges schon lange vorahnen, was sich erst später als richtig herausstellt; doch bis zum Ende, zum wirklichen Ende, werden sich ganz sicher noch Dinge ereignen, mit den man nicht rechnete.
„Er lügt“ ist ein überaus geschickt aufgebauter Thriller, den Rebecca Taylor McKay geduldig entwickelt und dabei mit vielen kleinen Details eine Art von Brotkrumen-Spur zum Finale legt.
Wenn sich das Geschehen bis zu diesem Finale ohne Eile, dafür mit umso mehr Präzision und Details entwickelt, so finde ich die letzten Kapitel dann als beinahe schon überstürzt und kurzatmig erzählt. Mit einem Ende, das … nun ja, dann doch überraschend und für mich nicht besonders überzeugend ist.
Ein 400 Seiten-Thriller, der sich für mich schon nach ein paar Kapiteln als Pageturner entpuppte. (und in ein paar Stunden durchgelesen war).
Vor allem die Charaktere der Hauptdarsteller hinterlassen einen starken Eindruck. McKay investiert viel, um alle vier wirklich greifbar werden zu lassen, so viel, dass man als Leserin/Leser wohl zu allen eine ganz bestimmte Einstellung über Sympathie oder Antipathie haben. Aber Vorsicht: das konnte sich im Laufe des Buches mehrmals ändern.
Alles zusammen:
Zwar nicht 100% perfekt (denn manchmal doch etwas zu wortreich), aber überaus fesselnd!