H.P. Lovecraft: Träume im Hexenhaus
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Ein verwinkeltes Zimmer, ein Student, der sich zu tief in Mathematik und Okkultismus vergräbt, und Träume, die sich immer weniger wie bloße Träume anfühlen: in H. P. Lovecrafts Erzählung „Träume im Hexenhaus“ entsteht das Grauen aus der Vermengung von Raum, Zeit, Wirklichkeit und Träumen, wenn die Grenzen verschwinden.
Im Zentrum Walter Gilman, Student an der Universität in Arkham. Er beschäftigt sich mit höherer Mathematik, nicht-euklidischer Geometrie, Physik und alten okkulten Überlieferungen. Die Halbjahresprüfungen stehen vor der Türe, gerade jetzt sollte er sich darauf vorbereiten.
Besonders fasziniert ihn die Geschichte der Keziah Mason, die im 17. Jahrhundert während der Hexenverfolgungen verhaftet worden sein soll und angeblich durch seltsame geometrische Figuren aus ihrer Zelle verschwand. Gilman ist überzeugt, dass sich hinter solchen Legenden mehr verbirgt als bloßer Aberglaube. So mietet er ausgerechnet jenes Dachzimmer, in dem Keziah Mason einst gelebt haben soll.
Dieses Zimmer wird zum Schauplatz unheimlicher Vorgänge. Die Wände und Decken stehen in merkwürdigen Winkeln zueinander, zu verborgenen Räumen dahinter sind die Zugänge verschlossen. Bald leidet Gilman an Fieber, Schlaflosigkeit und beunruhigenden Träumen. In diesen Visionen stürzt er durch fremdartige Szenerien, erlebt Farben, Geräusche und Formen, die sich jeder gewöhnlichen Beschreibung entziehen, und begegnet schließlich Gestalten, die offenbar nicht nur Produkte seiner Einbildung sind: der Hexe Keziah Mason, ihrem schrecklichen rattenähnlichen Begleiter Brown Jenkin und weiteren Mächten, die weit über das menschliche Begreifen hinausreichen.
Diese Traumsequenzen sind das zentrale Element der Erzählung. Lovecraft beschreibt nicht einfach über ein Spukhaus, sondern über eine ganze verstörende Dimension jenseits unserer Wahrnehmung. Walter Gilman verliert nach und nach die Sicherheit darüber, ob er träumt, halluziniert, wissenschaftliche Zusammenhänge entdeckt oder tatsächlich in diese andere Dimension gezogen wird.
Lovecraft fasst optische und akustische Eindrücke in Worte. Die Visionen Gilmans sind voller seltsamer Farben, geometrischer Körper, surrealer Perspektiven, fremder Städte und körperlicher Verzerrungen. Gerade dadurch eignet sich die Geschichte besonders gut für Verfilmungen. Man kann sich diese schiefen Zimmer, die gleitenden Übergänge zwischen Traum und Realität, das unheimliche Auftauchen der Hexe und die groteske Figur Brown Jenkin beinahe bildhaft vorstellen. Es ist quasi logisch, dass die Erzählung mehrfach als Grundlage für Verfilmungen diente: etwa in Stuart Gordons Beitrag zur Reihe *Masters of Horror*, in der Netflix-Anthologie *Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities* oder in Bobby Easleys Film *H. P. Lovecraft’s Witch House*. Nicht alle diese Adaptionen folgen der Vorlage besonders eng, aber sie zeigen, wie stark sich der Stoff zur visuellen Umsetzung eignet.
Für mich liegt darin zugleich eine Stärke und eine Schwäche der Novelle. Das sind einmal der Ort Arkham, das alte Hexenhaus, das verwinkelte Dachzimmer, das Kratzen in den Wänden, die Legende der verschwundenen Hexe und die zunehmende Verunsicherung Gilmans – alles Zutaten für klassischen Horror. Andererseits hätte für meinen Geschmack etwas weniger Detailreichtum bei einigen Passagen, in denen es um die Visionen und Träume geht, alles noch wirkungsvoller werden lassen; und gelegentlich wären vage Andeutungen vielleicht besser für die Wirkung gewesen, als umfangreiche Beschreibung.
Diese Beschreibungen macht den Stoff zwar überaus geeignet für die Verfilmungen, überdecken in ihrer ausgreifenden schriftlichen Form für mein Empfinden aber gelegentlich jene Atmosphäre, die schon durch das ganze Setting dicht genug wäre.
In Summe ist „Träume im Hexenhaus“ eine sehr bildstarke Erzählung, voller verstörender Visionen und obskurer Verbindungen von Raum, Traum und Wahnsinn. Knapp 80 Seiten klassischer Horror, der auch Nicht-Genre-Fans fesseln kann.