Buchbesprechung/Rezension:

Andreas Pittler: Kärntner Schatz
Obiltschnig und Popatnig (4)

Kärntner Schatz
verfasst am 12.05.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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[Gesamt: 2 Durchschnitt: 5]

Auf der frisch ausgehobenen Erde thronte ein bleicher Totenschädel, der ihn aus leeren Augenhöhlen fixierte. Und  grinste, und grinste und grinste. 

Es ist Sommer in Kärnten. Selbst das Verbrechen scheint Ferien zu machen, als bei Chefinspektor Sigisbert Obiltschnig das Diensttelefon läutet und der Fund eines Totenschädels, der bei Aushubarbeiten für einen Pool im Garten des Ehepaares Kauder in St. Andrä entdeckt worden ist, gemeldet wird.

Obiltschnig und sein Kollege Ferdinand Popatnig besichtigen gemeinsam mit der Gerichtsmedizinerin den „Tatort“ und stellen fest, dass es sich hier um ein altes Skelett handeln muss. Mindestens aus dem Zweiten Weltkrieg, wenn nicht bedeutend älter, liegt doch St. Andrä in einer historisch bedeutsamen Gegend: Hier sind einst schon die alten Römer durchgezogen.

Das Skelett von St. Andrä wird zur Nebensache, da die beiden Ermittler, die nur zur Hälfte dem Kriminaldienst in der Landeshauptstadt zugeteilt sind, wenig später an die Universität Klagenfurt gerufen werden. Professor Johannes Schrittwieser läge tot in seinem Büro, und keiner hat etwas gesehen oder gehört.

Obiltschnig und Popatnig durchforsten das Leben des Toten und finden – nichts. Keine Hobbys, kein Privatleben, keinen Streit mit Studenten oder Kollegen, kein Motiv – einfach nada, nichts, nihil, rien.

Es scheint, als würden alle Bemühungen, den Täter ausfindig zu machen, ins Leere gehen. Neben dem Gefühl eines persönlichen Versagens droht den beiden Polizisten der Entzug der Ermittlungen und die schmachvolle Rückkehr in die Polizeiinspektion von Ferlach. Dass ihr Chef Oberst Dullnig ausgerechnet dem verhassten Plöschberger den Fall übertragen könnte, wurmt sowohl den Sigi als auch den Ferdl, obwohl der angesichts der Mitteilung Vater zu werden, in anderen Sphären schwebt. 

Erst der undeutlich hingekritzelte Name in Schrittwiesers Kalender sowie die Nachricht, dass das Skelett in St. Andrä aus der Römerzeit stammt und ein Archäologenteam in unmittelbarer Nähe nach antiken Goldmünzen oder Artefakten graben will, sowie der private Besuch des Ehepaars Obiltschnig des „Meet & Greet der Archäologie“ lässt bei Sigi ein paar weitere Puzzleteile an die richtige Stelle fallen.

Dort heißt es beim Uschnig, aber die Familie heißt Wieser. So ist das mit den Vulgonamen hierzulande.

Nun heißt es nur noch, die Eintragung aus dem Kalender richtig zuzuordnen.

Meine Meinung:

In diesem vierten Fall für Sigismund Obiltschnig und Ferdinand Popatnig zieht Autor Andreas Pittler alle Register.

Neben dem Fund des grinsenden Totenschädels erhalten wir Leser in einem zweiten Handlungsstrang Einblick in Ereignisse, die schon Wochen vor den Baggerarbeiten ihren Ausgang genommen haben, zunächst nicht wirklich zuordenbar sind, langsam eskalieren und mit der Ermordung Schrittwiesers einen vorläufigen tragischen Höhepunkt erreichen.

Andreas Pittler, ist ja auch Historiker und kennt die endlosen Diskussionen darüber, dass Bodenfunde ausnahmslos Eigentum der Republik Österreich sind. Grundstückseigentümer haben allerhöchstens Anspruch auf einen Finderlohn, mehr nicht. Also, die Idee, die eigenen Finanzen mit Hilfe eines Goldschatzes oder eines Römerschwertes zu sanieren, wird nicht funktionieren. Einen Fund geheim halten? Möglich, aber nicht wahrscheinlich, denn die Wahrheit kommt garantiert ans Tageslicht, weil entweder jemand aus der Nachbarschaft doch etwas gesehen hat oder weil sich jemand verquatscht.

Jedenfalls lösen Sigismund Obiltschnig und Ferdinand Popatnig den Fall mit vollem Körpereinsatz. Oberst Dullnig muss den beiden Lob zollen und Plöschberger ist der Gelackmeierte, weil er seinen Mund zu voll genommen hat, den Mörder von Schrittwieser im Handumdrehen auszuforschen.

Andreas Pittlers Krimis fesseln durch seinen Schreibstil. In dieser Reihe verwendet er nicht nur autochthone Familiennamen, die für Leser außerhalb Kärntens durchaus ein Herausforderung darstellen können, sondern auch regionale Eigenheiten. So sind in Österreichs südlichstem Bundesland Hofnamen üblich, die mit dem Familiennamen der (aktuellen) Eigentümer rein gar nichts zu tun haben, weil sie untrennbar mit dem Bauernhof verbunden sind und auch bei einem Eigentümerwechsel erhalten bleiben. Diese Vulgonamen sind Relikte aus vergangenen Jahrhunderten und oft ist nicht ganz klar, woher sie stammen. Das Land Kärnten hat vor einigen Jahren ein Projekt gestartet, eine Datenbank mit den Vulgonamen anzulegen, die auch online einsehbar ist.

Mir, als halbe Kärntnerin sind die Vulgonamen, die es auch in Tirol und der Steiermark gibt, natürlich ein Begriff. Andere Leser werden sich freuen, wieder etwas, ohne sich anzustrengen, dazugelernt zu haben. 

Fazit:

Wo Andreas Pittler draufsteht, sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent fesselnde und sprachlich ausgefeilte Lesestunden zu erwarten. So auch hier im vierten Fall für Sigismund Obiltschnig und Ferdinand Popatnig, der durch seine Komplexität und mehrere Plot-Twists sehr spannend gestaltet ist. Gerne gebe ich diesem Schatz im Krimigenre 5 Sterne.




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