Roman Sandgruber: Habsburg
Die wichtigste Dynastie der Welt
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Wie würde es bei uns in Österreich wohl aussehen, hätte es die Habsburger nicht gegeben? Abgesehen von Schlössern und Repräsentationsbauten würde uns ein ordentlicher Teil unseres Selbstverständnisses als Nation und natürlich ein scheinbar ewig wirksamer Tourismusmagnet fehlen.
Ganz unabhängig davon, was man von der Herrscherfamilie hält, die über sechs Jahrhunderte Österreichs Geschichte bestimmte ist klar, dass wir auch heute noch vom Erbe dieser Vergangenheit zehren.
Roman Sandgruber stellte mit diesem Band eine Übersicht über die Ära Habsbrug zusammen, die zwar keine neuen Erkenntnisse beinhaltet, aber einen sehr kompakten Überblick über die Eckpunkte dieser Ära ermöglicht. Ein „Best of“ gewissermaßen.
Eine Sammlung auch noch von kurzen Biografien der nur regierenden Mitglieder der Familie Habsburg würde jede Dimension für ein einzelnes Buch sprengen, so vielköpfig war diese Dynastiue über die Jahrhunderte. In der Auswahl in diesem Buch finden sich deshalb nur jene Persönlichkeiten, die entweder durch ihre Leistungen oder durch ihre Absonderlichkeit herausragen. Es ist also keine vollständige Chronik, jedoch werden in der kurzen Form der Beschreibung (nur wenige Bieten pro Biografie) viele Verbindungen und Chronologien deutlich.
Alles begann mit Rudolf I zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als es ihm, dem kleinen Grafen mit ausgeprägtem Willen zur Macht gelang, zum Deutschen König gewählt zu werden. Rudolf schuf damit die Grundlage für die Ausbreitung der Machtbasis seiner Nachkommen, die rund drei Jahrhunderte später ihre Herrschaft über einen großen Teil Europas ausgedehnt hatten. Aus der Zeit von Rudolf bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wählte Roman Sandgruber nur die aus vielerlei Gründen bemerkenswertesten Herrscher (nicht alle waren auch Kaiser) aus der österreichischen und spanischen Linie der Habsburger aus, die
Die durchgehende Auflistung der Herrscherinnen und Herrscher beginnt dann mit Karl VI, dem Vater von Maria Theresia, zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das ist zugleich jener Zeitraum von rund zweihundert Jahren, der den augenscheinlichsten und bis heute nachwirkenden Abdruck in unserem Land hinterlassen hat.
Es entstanden heutige Tourismusmagnete wie Schönbrunn, die Wiener Ringstraße, es war die Zeit stetiger politischer und militärischer Rückschläge und Erfolge. Zum Wechsel vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde das tausend Jahre alte römische-deutsche Kaiserreich von dem Habsburger Franz II. zu Grabe getragen und zugleich erschuf er als Franz I das neue Habsburger-Kaiserreich. Es folgte die Zeit des Biedermeier, die Revolutionsjahre um 1848 und dann die heute verklärende Sisi-Romantik und die Erzählung vom guten alten Kaiser Franz Joseph. Am Ende dieser zweihundert Jahre stand der verhängnisvolle Erste Weltkrieg und der darauf resultieren Untergang Österreich-Ungarns.
Das letzte Kapitel ist Otto Habsburg-Lothringen gewidmet, dem Sohn von Karl I. Er war der letzte Habsburger, der noch als Thronfolger geboren wurde. Als er später mehrere Jahrzehnte als gewählter Abgeordneter im Europaparlament saß, war er nicht nur der erste auf einer großen politischen Bühne demokratisch legitimierte Habsburger, sondern arbeitete in gewisser Weise auch daran mit, das untergegangenen Projekt seiner Vorfahren neu zu beleben: ein vereinigtes Europa, in dem Nationen unter einem gemeinsamen Dach leben.
Roman Sandgruber sammelte für „Habsburg“ das Wissen aus einer Vielzahl an Publikation und Dokumenten und brachte es in eine gut lesbare und übersichtliche Form.
Jene, die sich in die Geschichte der Habsburger einlesen wollen, gewinnen mit diesem Buch sehr kompakt einen ersten Überblick. Wer sich schon länger mit der Geschichte der Habsburger beschäftigt, bekommt einen kompakten Überblick über die Highlights aus sieben Jahrhunderten.
PS: Weniger gelungen finde ich hingegen die vom Verlag gewählte Aufmachung: In meiner ausgab aus der zweiten Auflage passen Papier und die Druckqualität von Schrift, Schriftfarbe und Bildmaterial nicht optimal zusammen. Ich hätte mir, auch angesichts des Preises von rd. € 40,-, eine bessere Ausführung gewünscht, denn in meiner Ausgabe wirkt alles düster und wenig kontrastreich.