Buchbesprechung/Rezension:

Michael Jensen: Zurück unter Mördern

Zurück unter Mördern
verfasst am 11.01.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Beruht auf wahren Begebenheiten …

Michael Jensen entführt uns mit seinem neuen historischen Krimi in das Nachkriegsdeutschland von 1950. Rund um die wahre Geschichte der jüdischen Familie von Eduard Lassally erzählt er einen fesselnden Krimi, in dem mit Jens Druwe auch eine Figur aus einer seiner anderen Krimi-Reihen eine Rolle spielen.

Nach Jahren des Exils kehren Oswald und Hertha Lassaly 1950 als eine der wenigen, von den Nazis Vertriebenen, jüdischen Einwohner von Hamburg in die Hansestadt zurück. Oswald hat mit Hamburg und Deutschland noch eine Rechnung offen: Er will einerseits das geraubte Eigentum der Familie zurück und andererseits den angeblichen Selbstmord seines Vaters Eduard aufgeklärt wissen. Dass man sie nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen wird, haben die beiden schon vermutet. Doch dass ihnen das nach wie vor vorhandenen NS-Gedankengut und das Unrechtsbewusstsein der Hamburger mit voller Wucht auch fünf Jahre nach dem Ende der Terrorherrschaft entgegen schlägt, haben sie nicht erwartet.

Oswald wendet sich an jenen befreundeten Anwalt, der schon seinen Vater betreut hat, um sein Eigentum zurückzubekommen. Doch der kann ihm wenig Hoffnung machen, denn die Firma, ein Kaffeeimport und die Familienbank, sind „verkauft“ worden, was durch Dokumente belegbar ist. All diese Eigentumsübertragungen von Juden auf Arier respektive Nazi-Deutschland, sind von den damaligen Gesetzen gedeckt. Eine Aufhebung dieser Gesetze kommt niemanden in den Sinn. Man habe andere Sorgen. Dass der Kaufpreis durch Drohungen auf einen Bruchteil des Wertes gedrückt worden ist, interessiert nun niemanden.

Um Beweise dafür zu finden, dass einerseits der Kauf Betrug und der Selbstmord seines Vaters Mord war, wird der Kriegsheimkehrer und Privatermittler Henry Mahler beauftragt, Dokumente und Zeugen aufzutreiben. Der aktuell arbeitslose Mahler scheint dafür sehr gut geeignet, hat er doch vor dem Zweiten Weltkrieg Jura studiert, aber nicht abgeschlossen und nach einer Befehlsverweigerung seine eigenen Erfahrungen mit dem Regime gemacht. Doch das ist nicht der einzige Dämon, der ihn plagt, sucht er doch verbissen nach seiner Ehefrau, die seit dem, als „Operation Gomorrha“ bekannten, Bombardement Hamburgs verschollen ist.

Je tiefer Henry Mahler in die Familiengeschichte der Lassallys eintaucht, desto mehr wird ihm bewusst, dass die Täter von damals und ihre Mitläufer durchwegs wieder in ihren alten Positionen zu finden sind. Oswald und Hertha Lassaly sind zurück unter Mördern.

Meine Meinung:

Der Krimi beruht auf der wahren Familiengeschichte der jüdischen Familie Lassally aus Hamburg, die, wie Hunderttausende andere auch, systematisch gedemütigt, ausgeplündert, ihres Eigentums beraubt, teilweise in den Selbstmord getrieben und als sie nichts mehr hatten, was Nazi-Deutschland nützlich sein konnte, in den diversen Vernichtungslagern ermordet worden sind. Nur wenigen Mitglieder dieser jüdischen Familien ist es, wie Oswald Lassally, gelungen, das Land zu verlassen und noch viel weniger kehren in das Land der Mörder zurück.

Henry Mahler muss erkennen, dass die alten Parolen vom Durchhalten und der Volksgemeinschaft sind noch fest in den Köpfen der Menschen verankert ist. Zudem haben sie neue wie „nach vorne schauen“, „Wir haben auch gelitten“ und „Wir haben nichts gewusst!“ gebildet haben und in einer Art Dauerschleife wiederholt werden. Schrecklich zu lesen ist das Selbstverständnis, mit der Täter/Opferumkehr betrieben wird.

Die Mehrzahl der Deutschen sieht sich als Opfer der Alliierten und glauben nach wie vor an eine jüdische Weltverschwörung. Unrechtsbewusstsein in kaum vorhanden, weshalb es kaum möglich ist, geraubte Gegenstände, Immobilien und Wohnungen den ursprünglichen Eigentümern zurückzugeben. Wo sollten denn auch die armen ausgebombten Deutschen wohnen, denen die Alliierten die Häuser in Brand gebombt haben? Die alten Seilschaften in den Behörden be- und verhindern die Aufklärung, notfalls mit Gewalt.

Denn man will das „geraubte und im guten Glauben erworbene Gut“ um keinen Preis hergeben. Die westlichen Alliierten haben wenig Interesse daran, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, denn ihr neues Feindbild heißt Sowjetunion.

Die Handlung wird in zwei Zeitebenen geschickt erzählt. Der Autor Michael Jensen hat ausgezeichnet recherchiert und beschreibt viele Hintergründe der damaligen Vorkommnisse.

Michael Jensen hat mit diesem historischen Krimi die düstere und beklemmende Stimmung im Nachkriegsdeutschland sehr gut eingefangen. Die wahre Geschichte von Eduard Lassally und seiner Familie ist penibel recherchiert. Dokumente dazu lassen sich nachlesen. Wie schon in den historischen Krimis rund um die Brüder Sass und um Kriminalkommissar Jens Druwe lässt sich dieser hier ebenso sehr gut lesen, auch wenn er keine leichte Kost ist. Zartbesaiteten Lesern könnte die eine oder andere Grausamkeit vielleicht Probleme bereiten.

Die Figur des Henry Mahler bietet sich gemeinsam mit dem Thema förmlich an, als Reihe weiter entwickelt zu werden. Denn leider ist die Familie Lassally kein Einzelfall.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi aus dem Nachkriegsdeutschland 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.




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