Michael Jensen: Blutige Stille
Die Brüder Sass Band 2
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Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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Handel mit Waren aller Art – das Syndicat
Das Syndicat der Brüder Sass hat sich nun zwischen den anderen kriminellen Vereinigungen Berlins etabliert. Man handelt mit allem, vor allem Schnaps, Autos und mit Waffen, von denen es nach wie vor genügend aus Armeebeständen des verlorenen Krieges gibt. Obwohl Franz Sass die Geschäfte seines Partners Ian McCullen mit der IRA suspekt sind, werden Waffen an sie verkauft.
Überbringer der heißen Ware ist niemand geringerer als das Fliegerass aus dem Ersten Weltkrieg, Hermann Göring, der aktuell de facto zur Untätigkeit verdammt ist, da das besiegte Deutschland gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags keine Luftwaffe haben darf, und der jede Gelegenheit zu fliegen wahrnimmt. Für wen er was fliegt, ist ihm einerlei, Hauptsache in der Luft.
Als dann am 24.06.1922 der deutsche Außenminister Walter Rathenau erschossen wird, scheint eine Spur zum Syndicat zu führen, denn die Waffe stammt aus dem Schmuggelgut der Brüder Sass. Nun gerät Franz Sass auch in den Fokus der Kriminalpolizei und wird verhaftet.
Meine Meinung:
Wie schon im ersten Band „Blutgold“ gelingt es Autor Michael Jensen, die Zustände nach dem verlorenen Ersten Welkrieg authentisch darzustellen. Hunderttausende Arbeitslose, Kriegsinvalide sowie entlassene Militärs, von denen die höheren Chargen dem Adel angehören und nun verarmt und ohne Beschäftigung sind, versuchen mit Hilfe unterschiedlicher Parteien „ihr wahres Deutschland“ wieder herzustellen oder neu zu errichten. Jeder kämpft gegen jeden – Politiker sowie das gemeine Volk, Straßenschlachten inklusive. Im Dunstkreis dieser unklaren Zustände, in dem Korruption und Machtmissbrauch auch vor der Exekutive nicht Halt macht, sprießen kleine und große Schmugglerbanden sowie allerlei anderes Gelichter, das sich u.a. in Ringvereinen organisiert aus dem Boden. Zu ihnen gehören auch die Brüder Erich und Franz Sass, die ihre kriminellen Machenschaften um das eine oder andere Geschäftsfeld erweitern.
Die Spannung ist hoch und bleibt das auch das ganze Buch hindurch.
Gut gefallen hat mir, dass ich Jens Druwe, einer Figur aus einer anderen Krimi-Reihe des Autors, die nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, wieder begegnen darf. Michael Jensen schafft es immer wieder, fiktive Figuren und historische Persönlichkeiten elegant in die Story einzubetten.
Die Reihe geht mit dem dritten Teil „Blutiger Schnee“ weiter, bei mit „Schnee“ vermutlich nicht der kalte Niederschlag gemeint ist.
Fazit:
Dieser historische Krimi besticht durch penible Recherche und die gekonnte Verknüpfung von Fakten und Fiktion. Daher erhält er von mir 5 Sterne.