Agatha Christie: Die Morde des Herrn ABC
Ein Fall für Hercule Poirot (11)
Autorin/Autor:
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Andreas
Online bestellen:
Es steht zwar Poirot auf dem Cover und es ist auch Poirot drinnen: aber der Krimi ist tatsächlich ganz anders, als man es erwarten würde.
Leidenschaft, Gier, Eifersucht, Rache – Keines der üblichen Mordmotive lässt sich in diesem Krimi finden. Vielmehr, das stellt sich schnell heraus, haben es Poirot, Inspector Japp und Captain Hastings mit einem Serienmörder zu tun. Jemand mordet nach dem Alphabet: von A bis Z, an Orte, der Namen mit den jeweiligen Buchstaben beginnen, wird ein Mensch mit denselben Anfangsbuchstaben ermordet. Wie soll man einen Mörder finden, der scheinbar überhaupt keine persönlichen Verbindungen zu seinen Opfern hat?
Dazu kommt ein für Poirot überaus persönlicher Aspekt. Denn die Morde werden angekündigt, der Mörder nennt sogar den Ort und den Tag und schreibt das alles in Briefe, die Poirot kurz vor den Taten erhält. Unterfertigt sind alle Briefe mit dem Namen A.B.C. Jemand will anscheinend den Detektiv direkt herausfordern – aber warum nur?
An den Tatorten gibt es keine Spuren. Lediglich ein Bahn-Fahrplan, allgemein bekannt als ABC-Fahrplan wurde neben den Opfern platziert. Und noch ein weiteres Detail findet sich an den Tatorten, nur dauert es einige Zeit, bis diese Gemeinsamkeit überhaupt auffällt.
Als Polizei und Scotland Yard mit den Ermittlungen nicht weiterkommen, setzt man auf die Mithilfe der Bevölkerung. In den Medien werden alle Details minuziös (und manchmal übertrieben) geschildert. Irgendjemandem muss doch etwas aufgefallen sein, niemand kann, ohne eine Spur zu hinterlassen, diese Morde begehen; es sind schon vier Morde, der Täter ist bereits bei D angelangt; doch dabei macht er einen Fehler.
Endlich gibt es eine Spur und dann werden alle überrascht, wie schnell der Mörder in Gewahrsam kommt. Die Jagd ist zu Ende, der Mörder gesteht, die Anklage wird erhoben, doch Poirot ist nicht zufrieden, ganz und gar nicht zufrieden. Und so beginnt sein Auftritt erst, als alles vorüber und geklärt ist …
Agatha Christie brach mit diesem 11. Fall ein wenig aus dem gewohnten Muster ihrer Krimis aus. Während von Anfang an alles in eine bestimmte Richtung zu laufen scheint, lässt sie ihren Stardetektiv im Hintergrund agieren; was schon ein Signal für uns Leserinnen und Leser sein sollte, dass ein Ende noch lange keine Auflösung sein muss. Aber wer weiß das schon?
Jedenfalls liefert dieser Roman von Anfang bis Ende eine Story, die man tunlichst in einem Zug durchlesen sollte. Das lässt sich bei den für Agatha Christie üblichen rund 250 Seiten auch gut an einem verlängerten Nachmittag bewerkstelligen, weil alles zusammen einen überraschenden und rasanten Krimi ergibt.