Arne Dahl: Kaltes Fieber
Eva Nyman ermittelt (2)

Autorin/Autor:
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Andreas
Online bestellen:

Eine Mordserie muss es schon sein und dazu muss jeder einzelne Mord einer bizarren Choreografie folgen. Schwedenkrimi eben. Arne Dahl eben.
Es beginnt eines Morgens mit einer Zeusstatute, die auf einer der Inseln von Stockholm steht. Der Standort auf dem Hügel Skinnarviksberget ist so gewählt, dass die weiße Gipsfigur weithin sichtbar ist. Ein Fall für die von Eva Nyman geleitete NOVA-Gruppe der schwedischen Polizei wird daraus, als der Regen die Gipshülle aufweicht und darunter ein Toter auftaucht. Der Mann muss lebendig eingemauert worden sein, ein brutales Ende. Der zunächst unbekanntes Opfer, der einzige Hinweis ist ein Zettel, der ihm in den Mund gesteckt wurde, darauf nur ein kurzer Satz.
Du weißt, was du getan hast
Weitere Morde folgen, alle in Szenen gestellt, die an die sieben antiken Weltwunder erinnern. Bald ist also klar, dass es weitere Morde geben wird, solange, bis die Zahl sieben erreicht ist.
Die Opfer haben nichts miteinander zu tun, wo also sollte die Ermittlung beginnen. Das Team teilt sich auf und folgt Spuren in ganz unterschiedliche Richtungen. Eine führt in die Kunstszene, denn so wie die Weltwunder nachgebaut werden, kann hinter den Morden jemand stecken, der es gewohnt ist, Kunstwerke zu erschaffen. Eine andere Spur führt in die Drogenszene, als sich herausstellt, dass einige der Opfer Fentanyl konsumierten. Die Todesdroge, die in Amerika zehntausende Opfer fordert, scheint auch Schweden zu überschwemmen. Doch woher kommt die Droge? Findet das Team die Quelle, wird man dort auch den Täter treffen oder doch zumindest Hinweise darauf, was vor sich geht.
Arne Dahl entwickelt ein sehr komplexes Szenario, in dem sich die Geschehen in immer mehr Details verzweigt, in dem es um Gegenwart und Vergangenheit, um Verlust und Rache geht. Zwischendurch immer wieder Kapitel, in denen Dahl etwas beschreibt, was wohl die Handlungen des Täters sein sollen, quasi kurze Sequenzen mit dem, was Eva Nyman und ihren Kolleginnen und Kollegen noch bevorsteht.
Es ist der zweite Thriller mit dem NOVA-Team, der neben der schon sehr komplexen eigenen Handlung auch noch Bezug auf das nimmt, was im ersten geschah. Das hat mich in Summe dann gelegentlich zu sehr von der aktuellen Handlung abgelenkt. Denn um zu wissen oder um zu verstehen, was es beispielsweise mit der Vergangenheit von Lukas Frisell oder dem Verschwinden von Anton Lindberg auf sich hat (und wie das in die aktuelle Handlung einwirkt), sollte man die Handlung von Band 1 noch einigermaßen im Gedächtnis haben. Dazu eine immer umfangreiche Menge an Personen, die Dahl in die Handlung einbringt: Ein Personenverzeichnis hätte diesem Buch wirklich gutgetan.
Zusammengefasst:
Etwas weniger Komplexität hätte dem Lesefluss und damit der Spannung gutgetan. Denn manchmal lenkt die Vielzahl an Namen und Schauplätzen ab und manchmal hätte der Verzicht auf weitere neue Wendungen das Lesevergnügen noch mehr gesteigert. Insgesamt habe ich mit Band 2 nicht ganz so viel Freude wie mit Band 1.
Am Ende bleiben, es war zu erwarten, Fragen offen … und ein klassischer Cliffhanger zum Abschluss weist (möglicherweise?) schon darauf hin, was in Band 3 geschehen wird.