Buchbesprechung/Rezension:

Stine Pilgaard: Meter pro Sekunde


verfasst am 09.03.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Pilgaard, Stine, Romane
LiteraturBlog Bewertung:

Über die Autorin:
Stine Pilgaard wurde am 27. März 1983 in Vejlby-Risskov in Dänemark geboren. Sie lebt heute in Kopenhagen und absolvierte dort an der Universität die Danish Writers Academy. Ihr Debütroman „Meine Mutter sagt“ war ein großer Erfolg. „Meter pro Sekunde“ ist ihr dritter Roman, aber ihr erster, der auch auf Deutsch erscheint.

Die Übersetzung:
Hinrich Schmidt-Henkel wurde 1959 geboren und übersetzte bereits für mehrere Autoren, so z. B. die Bücher von Jon Fosse und Tomas Espedal. Für seine Übersetzungen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt war er für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Mich erinnerten sowohl Wortwahl als auch Satzbau an meine Zeit, die ich in Nordrhein-Westfalen verbracht habe. Beispiele dafür sind etwa die Wörter „Kita“ oder “Konfirmation“. Es ist also ein ins Deutsche und nicht ins Österreichische übersetztes Buch.

Das Hörbuch:
Caroline Peters ist Schauspielerin und sowohl von den wichtigsten Theaterbühnen als auch aus Film und Fernsehen bekannt. Sie wurde u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet und zweimal als Schauspielerin des Jahres geehrt. Ich bin sehr froh, diesmal das Hörbuch gewählt zu haben, da mir das Zuhören wirklich Spaß gemacht hat.

Ich höre selten Hörbücher auf Deutsch. Jedes Mal, wenn ich es doch tat, war ich vom Vorlesenden enttäuscht. Ich favorisiere deshalb englischsprachige Hörbücher, da mir hier in der Regel der Vortrag viel besser gefällt. Caroline Peters Art vorzutragen hat mir aber gut gefallen.

Über das Buch:
Ein junges Paar zieht mit ihrem Neugeborenen nach Velling in Westjütland. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive der Frau erzählt, die sich in ihren Dreißigern befindet und eine sehr glückliche Beziehung mit ihrem Freund führt. Er ist sehr gebildet, lebensklug und arbeitet als Lehrer mit Schwerpunkt Literatur an
der örtlichen Schule.

Der Roman beschreibt, wie sich das Paar in dem kleinen Ort einlebt, und zwar auf eine skurrile, schrullige und gleichzeitig moderne Weise. Manches konnte ich nachempfinden, anderes nicht.

In der ersten Szene bekommt die Frau Besuch von der Schulleiterin, die sich darüber empört, dass das Baby noch keinen Namen besitzt. „Man ahnt gar nicht, wo so ein Name überall vorkommt.“ Die Namensfindung ist kompliziert. Er soll sich reimen und nur aus 2 Silben bestehen.

Die Schulleiterin findet ebenso, dass es wichtig ist berufstätig zu sein und verspricht ihr eine Anstellung in der Schule, die sie nach ihrer Karenzzeit antreten kann. Ebenso spricht die Schulleiterin das Thema Taufe und Hochzeit an. Beides kommt für die junge Mutter aber nicht in Frage.

Sie ist beruflich als „Orakel“ tätig. So bezeichnet sie ihre Tätigkeit, bei der sie Fragen beantwortet und Ratschläge gibt, im Buch als „Kummerkasten“ bezeichnet. Zwischen den Handlungen finden sich immer wieder Kummerkasteneinträge mit den verschiedensten Inhalten. Später wird sie tatsächlich Kummerkasten-Redakteurin bei der lokalen Zeitung.

In der nächsten Szene des Buches besucht die Frau das örtliche Geschäft und es ergibt sich ein schrulliges Gespräch mit dem Verkäufer.

Und so werden verschiedenste Szenen beschrieben, sei es eine Schulaufführung oder eine Situation in der Fahrschule, ein Spaziergang mit einer Mutter, usw.

Mein Fazit:
Im Buch werden keinerlei Satzzeichen der direkten Rede verwendet. Das ist so etwas wie meine Achillesferse, denn damit komme ich echt nicht klar. In diesem Fall konnte es mich aber nicht stören, da ich das Hörbuch gehört habe. Und die Sprecherin hat zum Glück jede Rede so vorgetragen, dass ich sie gleich als solche erkannt habe.

„Ich weiß doch, wer du bist, sagt er, als ich ihm meinen Ausweis hinhalte. Tatsächlich, sage ich. Er nickt. Ich weiß, wo du wohnst, sagt er, unten neben der Schule in dem kleinen roten Haus. Noch ein Treffer, sage ich. Er stellt sich in die Tür, und ich bin ganz überwältigt von der Auswahl an Süßigkeiten zum Selberabfüllen. Draußen fahren Autos vorbei, der Kaufmann hebt die Hand an die Schläfe.“

Mir ist Rauchen mittlerweile so fremd, dass es mich nervt, wenn es Buchhelden mit Selbstverständlichkeit tun. Und in diesem Buch wird viel geraucht. Zusammengefasst ist „Meter pro Sekunde“ ein moderner, zeitgenössischer, humorvoller, und gleichzeitig gesellschaftskritischer, mitunter etwas skurriler Roman.




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