Reinhard Kaiser-Mühlecker: Enteignung

Jan ist Journalist. Wenigstens zeitweilig; früher schrieb er für bekannte Publikationen, was ihn später zu einer kleinen Provinzzeitung verschlagen hat, bleibt unerwähnt. Die Provinz, das scheint – immerhin stammnt auch Reinhard Kaiser-Mühlecker von hier, die Gegend in Oberösterreich zwischen Wels, und Kirchdorf/Krems zu sein. Die Erwähnung einer mittelgroßen Stadt (Wels?) mit einem Bürgermeister stramm-rechter Gesinnung deutet jedenfalls darauf hin.

Jan treibt durch sein Leben. Unterwegs mit seinem Ami-Schlitten, der hier, im Land der Familien- und Offroad-Bezinkutschen, garantiert auffällt. Es ist ein seltsames Leben, das ihn zwischen einigen Affären hin und her treibt. Affären, von denen er selbst nicht recht weiß, ob sie ihm etwas bedeuten und was; als Leser/in wird man ebenso im Unklaren gelassen. Zwar ist zu erfahren, dass er hierher zog, weil ihm eine Tante ein Haus vermachte, doch ist das schon ein ausreichender Grund, den Erfolg hinter sich zu lassen?

Jans Leben und seine Entscheidungen lassen sich auch fortan durchaus als merkwürdig bezeichnen. Also so, wie man sie in einem realen Leben wohl nie bis höchstens ganz selten treffen würde:
Ein Praktikum auf einem Bauernhof? Eine so oberflächliche Verkleidung, dass es kaum glaubhaft erscheint, dass er nicht erkannt wird? Eine Affäre, die ihn mehr abstößt als anzieht?

Diese Merkwürdigkeiten passen aber wohl genau zu den Merkwürdigkeiten, die sich rund um die „Enteignung“ abspielten. Denn warum musste der Bauer Flor, ein ehemaliger Schulkamerad Jans, sein Land um wenig Geld abgeben, weil dort ein Windpark errichtet werden sollte? An einem Ort, an dem, wie jeder weiß, überhaupt kein Wind weht. Und sie passen zu allen diesen merkwürdigen Menschen, die hier leben.

Was diesen meist so ereignislose Bericht über Jans Alltag(e) so speziell macht, das ist die Sprache des Buches. Als ob es der Autor darauf angelegt hätte, die einfachst-mögliche Sprache mit der größt-möglichen Wirkung zu finden. Dieses Ansinnen, wenn es eines wäre, ist jedenfalls wirklich äußerst.

Man muss sich auf den Schreibstil und die oft surreale Welt, die Reinhard Kaiser-Mühlecker beschreibt, einlassen, um festzustellen, dass auch die oftmalige Ereignislosigkeit durchaus fesselnd  sein kann. Die sprachliche Sparsamkeit erschafft ein dichtes Bild des Landes und der Menschen, die ihm entstammen.

Aber (ja, es gibt ein Aber): all das über rund 200 Seiten durchzuhalten ist wirklich nicht einfach. Denn im Verlauf des Buches beginnt sich Monotonie einzustellen, die es schwer macht, bis zum Ende dabei zu bleiben.


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