Richard Wiemers: Mord in der Tuba

verfasst am 10.08.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Wiemers, Richard

Zwei Bücher, ach, verbergen sich zwischen den Buchdeckeln von “Mord in der Tuba”: das eine ist eine Dorfkomödie, das andere ist eine Krimi-Persiflage, fast möchte ich sagen, eine Polizei-Verarschung. Dem entsprechend pendelt die Geschichte auch zwischen wirklich lustig und … mir fehlt das richtige Wort dafür, irgendwas zwischen skurril und unglaubwürdig.

Und wie geht das?

Es beginnt mit einem toten Bürgermeister, der kopfüber in einer riesigen Tuba steckt. Dort drinnen hat er seine eigene Geburtstagsfeier nur um wenige Minuten überlebt. Die Polizei, in Person eines gewissen Herrn Breitenfellner amtshandelnd, benötigt nur wenige Sekunden für die Definition “Selbstmord”, womit die offizielle Ermittlung auch schon wieder zu Ende ist. Ich verstehe das, denn man hat ja wirklich schon oft davon gehört, dass sich Menschen zum Zwecke des Selbstmordes in eine Tuba quetschen.

Einige Tage später kommen einigen der Ortsansässigen dann doch Zweifel an der Selbstmordthese und ein Dreier-Damenrunde mit Herr nimmt die Sache in die Hand. Nicht sehr professionell – logischerweise, denn man ist ja für so etwas nicht ausgebildet – aber durchaus hoch motiviert wird ermittelt.

Der Autor Richard Rimers ist selbst Bewohner des realen Ortes Altenbeken (nahe Paderborn in Nordrhein-Westfalen gelegen) und im Zuge des Lesens frage ich mich, ob die Bewohner des Ortes mit außergewöhlichen Humor und viel Nachsicht gesegnet sind, oder ob Rimers einfach keinen Wert auf guten Nachbarschaft legt :-)

Denn falls die handelnden Personen im Roman auf realen Personen basieren (verfälscht, natürlich), dann kommen einige von denen nicht gut weg. Es tummeln sich praktisch alle Klischees über Politiker und Kleinstadtbewohner, die man schon irgendwo gelesen hat oder die man sich vorstellen mag. Das ist meistens amüsant und manchmal sogar richtig witzig.

Der Teil mit der Polizei-Persiflage ist aber leider wirklich misslungen. Denn so blöd wie Hauptkommissar Breitenbach wird sich selbst der blödeste Kommissar nicht anstellen. Offensichtlich um beim Bierzelt-Publikum ein paar brüllende Schenkelklopfer zu erreichen, schießt Rimers weit übers Ziel und das Gegenteil tritt ein: Kopfschütteln und Verwirrung statt Lachen.

Wären nicht die Abschnitte, in denen die Polizei mitspielt, wäre der ganze Krimi rundum amüsant und kurzweilig zu lesen – doch so trübt sich das Gesamtbild leider ein wenig.

Was bleibt: ein Krimi für die ganz heißen Tage, an denen man das eigene Gehirn nicht mit allzu Schwerem belasten möchte.


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