Rita Falk: Funkenflieger

verfasst am 29.12.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Falk, Rita, Romane

Eigentlich mag ich die Krimis von Rita Falk nicht so gerne. Das Buch „Funkenflieger“ hat mich dann doch überrascht. Eine Geschichte um den Jungen Marvin, den alle nur Locke nennen. Er wächst in einer Familie auf, in der alles im Argen liegt. Eine depressive Mutter, die nicht fähig ist, ihren Kindern ihre Liebe zu zeigen. Als die türkische Freundin seines älteren Bruders ein Kind erwartet, bricht die Hölle aus.

Als Ich-Erzähler steht der fünfzehnjährige Junge Locke im Mittelpunkt der Familiengeschichte. Marvin, mit unbändiger Lockenpracht die ihm seinen Spitznamen „Locke“ einbringt, wirkt erwachsen, hat die Gabe hoher Selbstreflexion und ist sprachlich sehr schlagfertig.

Möglicherweise ist Locke aufgrund der „nichtvorhandenen“ Mutter und des abwesenden Vaters dazu aufgefordert, schnell erwachsen zu werden. Die Familienverhältnisse sind trist. Es fehlt jeglicher Zusammenhalt zwischen den Geschwistern. Die Mutter Elvira ist psychisch ein Wrack. Dann ist da noch sein bester Freund Friedl. Der Junge hat ebenfalls mit Familienproblemen zu kämpfen, denn sein Vater weiß in seiner Ohnmacht in Erziehungsfragen nichts anderes zu tun, als seinen Sohn zu schlagen. Friedls Mutter stellt sich aus Angst vor häuslicher Gewalt nicht hinter ihren Sohn. Welche Enttäuschung!

Als Marvins ältester Bruder seine Freundin, die türkischstämmige Aicha, schwängert und deren Eltern davon Kenntnis bekommen, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Aichas Eltern wollen, dass die junge Frau eine Abtreibung vornimmt und dann in die Türkei auswandert.

Rasant entsteht eine turbulente Fehde zwischen zwei Kulturen. Marvin scheint allerdings auf alles eine Antwort zu haben. Es klingt alles so einfach: Locke und Friedl haben ein Versteck in einem ehemaligen Fabrikgelände. Sie haben ein altes leerstehendes Casino okkupiert und verstecken dort Aicha vor ihren Eltern. Nach und nach werden die Brüder Marvin und Robin in das Versteckspiel eingeweiht.

Alleine können die jungen Leute aber die entstehenden Probleme nicht bewältigen. Da kommt unerwartet Hilfe. Eine resolute Krankenschwester, ein Polizist und ein Kunstprofessor passen auf die Meute auf.

Obwohl die Schwangerschaft von Aicha die Rahmengeschichte liefert, bietet sie Platz für weitere Handlungsstränge. Kevin muss sein Studium vorantreiben um dann schnell ins Berufsleben einsteigen zu können. Immerhin hat er bald Frau und ein Kind zu ernähren. Robin, der mittlere Bruder hat es aufgrund seiner dunkleren Hautfarbe nicht leicht. Er wird Zielscheibe einer rechtsradikalen Gruppierung. Als er halb totgeschlagen im Krankenhaus liegt, erwacht Elvira aus ihrer psychischen Lethargie und stemmt sich gegen seelische Abgründe. Im Casino wächst nach und nach die Familie wieder zusammen.

Funkenflieger ist für mich kein literarisches Wunderwerk.
Ein unterhaltsames Buch mit happy End.
Egal ob für Jugendliche oder Erwachsene.
Für einen gemütlichen Nachmittag leicht lesbare Kost, die ans Herz geht.



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