Christine Lehmann: Vergeltung am Degerloch
Der erste Fall für Lisa Nerz

Vergeltung am Degerloch – der Titel klingt wie eine weitere Portion Regionalkrimi, doch dem ist nicht so. Die Geschichte erschien erstmals 1997, in einer Zeit, in der noch gefaxt wurde und liegt in einer überarbeiteten Ausgabe auf.

An manchen Stellen weht der Geist der späten 90-er durch das Buch. Dies tut der Spannung jedoch keinen Abbruch.

Wir befinden uns in Stuttgart, die Hauptperson Lisa Nerz arbeitet bei einer regionalen Emanzen-Zeitschrift. Sie ist (wenn man davon absieht, dass sie eine Frau ist) prototypisch: einsam, eigenwillig, unabhängig, ruppig und stur. Durch den Mord an einer Bekannten aufgerüttelt, macht sie sich auf die Suche nach dem Täter.

In hohem Tempo geht es durch die Geschichte mit mehreren Morden, falschen Spuren und in das Innenleben der Figuren. Kontinuierlich steigt die Geschwindigkeit, bis sich im letzten Drittel die Ereignisse derart überschlagen, dass man gerne noch schneller lesen können würde.

Es ist die Art von Buch, in dem niemals die Sonne scheint. Gelächelt wird – wenn überhaupt – nur zynisch und Sex hat definitiv keine Blümchen. Die heile Welt ist irgendwo weit außerhalb der Buchdeckel. Gekonnt spielt die Autorin mit den Figuren. Fast ausschließlich Frauen, allesamt gebrochene Gestalten, die mehr oder weniger entschuldigt in der Normalität fehlen.

Die Grenzen zwischen Mann und Frau und ihrem Verhalten sind aufgehoben, die bisexuelle Hauptfigur inklusive. Das zieht die Autorin mehr als konsequent durch – manchmal eine Spur zu viel, daher nur 3 Sterne.

Wer es  gerne spannend, finster und schnell mag ist hier richtig. Es ist kein Buch für Männer, denn so sind/denken wir Frauen nicht. Meistens.



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