T.C. Boyle: Wenn das Schlachten vorbei ist

verfasst am 26.02.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Boyle, TC, Romane

Mit viel Trara und Tamtam in dem Medien brach dieser Roman über uns herein. T.C.Boyle hier, T.C. Boyle da. Keine Frage, das Thema Umwelt ist brisant und wichtig und hochaktuell  (in den USA wahrscheinlich noch brisanter und wichtiger als bei uns) und eine Auseinandersetzung zwischen den unterschiedlichen Strömungen innerhalb dieser Bewegung ist ein neuer Aspekt für einen Roman.  Viele Vorschusslorbeeren, da kommt man ums Lesen praktisch nicht herum.

Solchermaßen aufgeputscht –  um nicht zu sagen enthusiasmiert :-) –  begann ich also zu lesen. Meine Vorfreude aber wich auf schon nach den ersten Seiten mit jedem gelesenen Satz mehr und mehr einem Unglauben. Da beschreibt Boyle in einem seitenlangen (andere Wortwahl: elendslangen) Intro einen Schiffsbruch, eine kaum erhoffte Rettung – und alles in einer derart unrealistischen, emotionslosen, spannungslosen Art und Weise, wie ich es bisher selten gelesen habe – oder auch: das war, mit Verlaub, langweilig und an den Haaren herbeigezogen.

Nächste Hoffnung: das erst richtige Kapitel (mit dem ich aber erst nach längerer Pause, dafür mit neuer Motivation, begann).

Wie es abläuft, wenn eine Umweltschutz-Fraktion gegen eine andere kämpft und wenn es dabei um Inseln geht, die dem Buindesstaat Kalifornien vorgelagert, im Pazifik liegen. Ab wann ist die Natur in ihre aktuelle Form als naturgegeben zu aktzeoptieren. Ab wann hat der Mensch eine unverzeihlichen Eingriff begangen, ab wann ist der momentane Zustand der unveränderbare.

Damit rückt ein Szenario in den Mittelpunkt, das so oder so ähnlich auf praktisch allen weit vom Festland entfernten Inseln zu beobachten ist. Ein Thema, das mich brennend interessieren würde: es muss ja nicht nur um eingeschleppte Ratten gehen, wie in diesem Roman. Es können auch Schlangen sein, die die Brut bodenlebender Vögel zerstören. Frösche, die einen ganzen Kontinent überfluten, Raubtiere, die die wehrlose einheimische Fauna dezimieren. Sind sie alle schützenswerte Natur, auch wenn sie nur durch Gedankenlosigkeit der Menschen dorthin kamen? Auch wenn sie jetzt die einheimische Flora und Fauna zerstören?

Gewalt kommt in jedem Fall ins Spiel, so oder so.

Das alles könnte ein spannendes Thema sein. Es könnte. Was aber, wenn sich der Autor derart verzettelt und in nebensächlichen Details schwelgt, dass das Lesen beinahe zur Strafe wird. Wenn man ein Buch in der Hand hält, das wahrscheinlich nur für wirkliche T-C-Boyle-Hardcore-Fans gut lesbar ist. Wenn man seitenlang auf der Suche nach dem zündenen Funken ist, der aber immer wieder durch schier ausuferndes (Be)Schreiben gelöscht wird. Dann ist es definitiv kein Buch, das man für sich selbst unter die guten einreihen wird. Und genau so ist es mir ergangen, den ich bin nur normaler Boyle-Leser und kein ausgewiesener Boyle-Fan.

Deshalb hoffe ich, dass sich einer der sehr zahlreichen Boyle-Fans meldet und mir den richtigen Leitfaden zur Hand gibt. Bis dahin rutscht dieses Buch leider ganz weit nach hinten ins Bücherregal und wird dort verstauben. Denn – und das ist natürlich ungerecht – von einem T.C. Boyle wollte ich ein besseres Buch lesen. Hätte es eine andere/ein anderer Wort für Wort so geschrieben, hätte ich vielleicht mehr Freude daran gehabt.


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