Boyle, T.C.: Das Wilde Kind

verfasst am 14.03.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Boyle, TC, Erzählung

Wir finden uns im Jahr 1797, nur wenige Jahre nachdem die französische Revolution die Monarchie hinweg gefegt hat. Der Verstand der Menschen im Süden Frankreichs, wie wohl auch im Rest der bekannten Welt,  ist noch immer ein sehr guter Nährboden für Dämonen und Mythen.  Was anderes als ein Dämon kann dann jenes Wesen sein, das hin und wieder in den Wäldern umherstreifend gesehen wird, das beobachtet wird, wenn es seinen Weg über die Felder und Wiesen sucht, das entflieht, wenn man es endlich gefangen hatte.

Doch dieser Dämon ist ein 8-jähriger Junge. Einer, der von seiner Mutter in der Wildnis ausgesetzt und dem Tod überlassen wurde. Nackt, weil er keine Kleidung kennt, sprachlos, weil er keine Worte kennt, irrt er umher wie ein Tier. Ein Tier, das er auch ist, denn nie hatte er das Mensch-Sein gelernt.

Als man ihn endlich einfängt wird er bestaunt wie ein wildes, unbekanntes Tier im Zirkus. Es dauert mehrere Jahre, bis sich in der Person des jungen Arztes Jean Itard jemanden findet, der an dem Jungen nicht herum experimentieren will, sondern ihn, wie ein Neugeborenes, behutsam in die Welt der Menschen hinein führen möchte.

Die kommenden Jahre sind geprägt von den Versuchen, als dem Tier-Menschen einen Zivilisations-Menschen zu formen, ihm Sprache und das Gefühl des Miteinander zu vermitteln. Sie bringen wenige Fortschritte aber viele Rückschläge, um am Ende das Leben des Jungen  so zu belassen wie es von Beginn an war.

Nach  den 100 Seiten der Erzählung weiß man viel über Viktor – das Kind – und den Arzt, über ihre Gefühls- und Gedankenwelten, von ihren Träumen und Hoffnungen. Man weiß viel, aber bleibt davon unberührt.  Die Sprache ist schön und gewandt, aber wenig pointiert und einnehmend, die Zeit um die Jahrhundertwende von 18. zum 19. Jahrhundert wird lebendig, aber ein Teil davon wird man nicht.

Die Geschichte vom Wilden Kind ist die literarische Umsetzung der historischen Überlieferung über Victor von Aveyron, über die man bei Wikipedia nachlesen kann.


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