Doris Knecht: Gruber geht

verfasst am 10.10.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Knecht, Doris, Romane

Gruber ist Mitte dreißig, liebt Bob Dylan und seinen roten Porsche. Als Manager reist er durch die Welt und landet eines Tages beruflich in Zürich. Er denkt bereits über eine lustvolle Abendgestaltung nach, doch ein knisterndes Kuvert in der Innentasche seines Designerjackets lenkt ständig ab. Der Brief ist von einem Krankenhaus an ihn gerichtet. Normalerweise geht er ja nicht zum Arzt. Ärzte sind, so Gruber, etwas für Luschen. Für Hypochonder. Für Leute auf der Suche nach Selbstmitleid. Seine Gedanken sind bald wieder bei der Idee, eine willige Frau aufzustöbern, um sie abends abzuschleppen.

In Zürich lernt er Sarah kennen. Plötzlich gefällt ihm etwas an einer Frau. Das ist neu. Eigentlich besteht sein Zugang anderen Menschen zu begegnen in Zynismus und einer ordentlichen Portion Präpotenz. John Gruber ist von sich selbst und seinem Leben so voreingenommen, an anderen lässt er kein gutes Haar. Frauen sind für ihn dazu da, um ihn zu befriedigen. Aber bitte! Am nächsten Morgen sollten sie verschwunden sein! Ein völliger Unsympathler, dieser Gruber…

Sarah findet er sympathisch. Sie hat ein kehliges, gluckerndes Lachen und Humor. Sie ist es auch, die nichtsahnend das zerknitterte Kuvert, den ominösen Brief öffnet. Sie beginnt zu lesen. Ihr Gesicht wird ernst. Sehr ernst. Dann verkündet sie die Botschaft über den Tod. Tumor. John Gruber hat Krebs.

Nachdem ihm Sarah seine Sterblichkeit gezeigt hat, wütet in Gruber zunächst ein nicht näher beschreibbares Gefühl der Irritation. Der Kontakt zu Sarah wird vorerst auf Eis gelegt.

Zurück in Wien begibt sich John in Behandlung. Es folgen einige Chemo-Therapien, doch der Tumor wächst, will nicht verschwinden. Gruber hat Angst, die sich immer mehr potenziert. In dieser Situation fällt ihm dann auch noch so eine Diskont-Ratgeber-Weisheit seiner Schwester Kathi ein. Er soll seinem Gefühl einen Namen geben, denn nur dann, wenn etwas einen Namen hat, kann er auch verhandeln. Und er gibt seinen Gefühlen Namen. Angst hat er gefunden, Panik, völlige Verunsicherung und Verständnislosigkeit. Außerdem war Gruber beleidigt, richtiggehend stinkbeleidigt, weil es ausgerechnet ihn getroffen hat.

John lernt sich selbst neu kennen, empfindet plötzlich Empathie und schafft durch einen Perspektivenwechsel die Marotten seiner Familie schätzen zu lernen.

Sarah kommt aufgrund ihres Berufs DJane nach Wien. Plötzlich ist sie da. Und Gruber merkt, dass er sie vermisst hat. Sie ist auch der Anlass, dass er zu kämpfen beginnt, trotz des schier unüberwindbaren Abgrundes, vor dem er nur mehr ein Stück entfernt zu stehen scheint.

Ein überraschender Roman, verfasst in einer lockeren, erfrischenden Sprache! Absolut lesenswert!


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