Hermann Bauer : Philosophenpunsch

verfasst am 27.09.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Bauer, Hermann, Kriminalromane

Im „Philosophenpunsch“ fühlte ich ich schon nach wenigen Zeilen ausgesprochen wohl. Also, weniger im Punsch natürlich, vielmehr in der Atmosphäre des Kaffeehauses Heller in Floridsdorf, die Hermann Bauer derart leicht und locker und stimmungsvoll beschreibt, dass ich dabei nur staunen – und, wie gesagt, mich darin wohl fühlen konnte.

Wie er über das Treiben in der Vorweihnachtszeit schreibt, über die Frau Heller, den Oberkellner Leopold, die Gäste im Kaffeehaus, der Philosophenzirkel beim wöchentlichen Treffen, daneben die Firmen-Weihnachstfeier, die Billardspieler. Und dann, als die ersten Schneeeflocken draussen fallen, wie die Frau Heller Gratis-Punsch für alle ausschenkt, einfach aus Freude daran. Um ehrlich zu sein, mit diesem kostenlosen Ausschrank wollte Frau Heller nebenbei auch die etwas aufgeheizte Stimmung im Lokal beruhigen, in deren Mittelpunkt Veronika Plankl, eine der Teilnehmerinnen an der Philosophenrunde, stand. Das alles kommt so an, dass man es sich wahrhaftig vorstellen kann (und vielleicht auch gerne einen Punsch bekommen hätte).

Der grausamen Logik des Krimigenres ist es geschuldet, dass die ganze Vorweihnachtsstimmung mit einem Schlag weg gewischt wird, als Veronika auf dem Heimweg gewaltsam zu Tode kommt. Jene Veronika, die sich den ganzen Abend schon etwas seltsam verhielt. Jene Veronika, die sich in ihrem Umgang mit Männern in ein paar recht komplizierte Situationen hineinmanövriert hatte, was just an diesem Abend in einigen unerfreulichen Begegnungen kumulierte.

Jetzt ist sie tot, traurig, aber die Vorweihnachtsromantik wird nun durch etwas anderes ersetzt, das ebenso gut ankommt: Spannende Unterhaltung.

Verdächtige gibt es genug, die allesamt einen Grund gehabt hätten, es der Veronika heim zu zahlen. Weil sie den einen versetzt, dem anderen etwas versprochen, den dritten vor den Türe gesetzt hatte. Nur drei von noch einigen Leuten mehr, denen man es zutrauen könnte, die Veronika da draussen im frischen Schnee erwürgt zu haben. Oberkellner Leopold nimmt sich der Sache an und macht sich, natürlich nur und ausschließlich unterstützend für die Polizei – dabei vorrangig für seinen alten Freund, den Oberinspektor Juricek  – seine Gedanken dazu. Und vielleicht auch ein paar ganz eigene Gedanken und ein paar ganz eigene Ermittlungen, die er nicht gleich mit der Polizei teilt. Man hilft ja, wo es nur geht!

So viel sei verraten (weil damit verrät man ja nichts): es ist natürlich der Herr Leopold, der unter zwar ungeplanter aber deshalb nicht weniger tatkräftiger Mithilfe seiner Tante Agnes letztendlich für die Klärung des Falles sorgt.

So wie Hermann Bauer seine Darsteller porträtiert, so kann man sie sich wirklich und bildhaft vorstellen. Da ist fast alles vertreten, was man sich in einer Wiener Vorstadt an „Typen“ erwarten kann. Die meisten ein bisserl grantelnd, viele mit dem einen oder anderen Tick, aber im Grund doch friedfertig und liebenswert – nun ja, bis auf diese bestimmte Person, die das Leben von Veronika Plankl gewaltsam beendete.

Mein Tip fürs Lesen: warten, bis es draussen entweder neblig ist oder schneit, dann die Füße hochlagern und einen sehr gemütlichen Lese-Nachmittag (oder auch zwei) mit diesem Buch verbringen! Dabei muss man keine grausigen Details befürchten, die erspart uns Hermann Bauer – und das finde ich ausgesprochen angenehm.

PS: und hin und wieder hat’s ein bisserl vom Kottan, was ja auch nicht schlecht ist.

PPS: ein Highlight sind natürlich die beiden Buben am Christkindlmarkt mit den landestypischen (Vorstadt?)Vornamen Manuel und …. genau! … Kevin :-)



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