Stermann, Dirk: Sechs Österreicher unter den ersten fünf

verfasst am 04.01.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Satire, Stermann, Dirk

Warum lautet der Untertitel eigentlich  “Roman einer Entpiefkenisierung”? Den Roman habe ich nicht gefunden, dafür jede Menge Grissemann & Stermann-Typisches. Nur ohne Grissemann.

Zur Klarstellung: ein regelmäßiger Konsument von “Willkommen Österreich” bin ich nicht (das ist die TV-Sendung Grissemann & Stermann, in der so ziemlich alles durch den Kakao gezogen – und manchmal auch darin ersäuft wird). Doch das wenige, das ich von Stermann bisher gesehen und gehört habe, das konnte ich auch in diesem Buch zeilenweise wieder finden – stilmäßig, nicht inhaltlich.

“Sechs Österreicher unter den ersten fünf” kein Roman, sondern eine Aneinanderreihung von Kuriositäten, Skurrilitäten, Bonmots, Missverständnissen, Sprach- und Kulturdissonanzen. Ein Satz, vielleicht zwei , ein Schmäh, ein Wortspiel und weiter zum nächsten, hopp-hopp.

Die Aneinanderreihung dann ergibt so etwas wie eine Rahmenhandlung:  Ein Duisburger auf dem Weg, ein Leben in Österreich zu führen. Dabei dürfen natürlich die üblichen Sprachbarrieren nicht fehlen, die uns in unserer gemeinsamen Sprache voneinander trennen: unterhalb des ersten Stockes muss nicht unbedingt ein Erdgeschoß folgen; der Unterschied zwischen Kaffee und Kaffe; die Sinnlosigkeit des Worten “Oachkatzlschwoaf ” (das nur erfunden wurde – aber bitte nicht weiter sagen – um die Deutschen zu ärgern und uns dabei zu unterhalten); etc., etc.

Begonnen hat alles im Winter 1987. Da traf ein ahnungsloser Deutscher namens Dirk (mit weichem D) aus dem Ruhrgebiet im – von dort aus gesehen – fernen Wien ein und wandelte sich, langsam, aber ganz sicher, vom “Piefke” (Entschuldigung!) zum Ösi. Augenscheinlich kam er dabei von Anfang an gut mit dem Schmäh aus, der einen Ortsfremden wie ihn gleich bei der Ortstafel überfällt und erkannte rasch den tieferen Sinn der Werbeplakate, auf denen der Slogan “Wien ist anders” prangt.

Auch die unvermeidlichen Grantler und Ungustln schafften es nicht, ihn am Hineinwachsen in diesen fremden Kosmos namens Wien zu hindern. Nein, ganz im Gegenteil, gerade von ihnen schaute er sich einiges ab – und das haut er uns jetzt am Donnerstag Abend im Fernsehen wieder um die Ohren, bzw. in konzentrierter Form in diesem Buch.

Die Wandlung zum Wahlwiener ist das Thema der Anekdoten. Manchmal zum Schmunzel, manchmal zum Lachen, oft treffend in der Charakterisierung. Und erhellend, was die Gedankenwelt eines “Zugereisten” (Zuagrasten) betrifft, der unvorbereitet auf Menschen aus unserer Republik trifft. Manchmal aber auch etwas “direkt”, aber so ist er eben, der Stermann.

Die Geschichten pendeln dann hin und her, zwischen den Anfängen und dem dauerhaften Hier-Sein. Beim Pendeln verliert sich recht oft der Faden und damit der Überblick, wann man sich gerade befindet. So wie beim Erzählen, wenn einem gerade noch etwas einfällt – ein wenig Chronologie hie und da hätte nicht geschadet. Macht aber nix. Mit Fortdauer der Lektüre wird es immer übersichtlicher, soll heissen, man kommt mit dem hin und her besser zurecht, und vor allem wird es immer amüsanter, inklusive einiger echter “Wuchteln”.*

Eine vergnügliche, leicht konsumierbare Lesereise durch Wien und die Jahre, in der man viel findet, das man selbst kennt. Oder für alle, die keine WienerInnen sind: eine Lesereise, in der man viel Vergnügliches finden kann und die ein wenig die Patina von den Klischees wischt Klischees wie Fiaker, Schönbrunn, der gute alte Kaiser und die schöne Sisi, der  Strache… eben alle diese Dinge.

PS eines ist aber wirklich unverzeihlich: am Denkmal Cordoba zu kratzen, der Stätte unseres – I wer narrisch – Triumphes, das musste nicht sein :-)

PPS: geschrieben hören sich österreichische Dialekte vom Stermann besser an als von ihm gesprochene. Ehrlich!

* Volltreffer-Witz (oder so ähnlich)



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