Kristof Magnusson: Das war ich nicht

verfasst am 14.02.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Magnusson, Kristof, Romane

Meike ist Übersetzerin, Jasper ist Banker und Henry ist Schriftsteller – drei Menschen, die eines gemeinsam haben: Probleme. Zuerst jede/r für sich alleine dann aber mehr und mehr alle drei  gemeinsam. Da ist es nebensächlich, dass zu Beginn weder räumliche noch persönliche Bindungen zwischen ihnen bestehen, denn nach Nachrichten, Wirtschaft und Terror werden nun eben auch Einzelschicksale ver-globalisiert

Und das geht so: Henry, der Pulitzer-Preisträger,  hat sich mit seiner Ankündigung, als nächstes den größen Roman über  9/11 zu schreiben viel zu weit vorgewagt und kämpft mit einer Schreibblockade. Schon ist der Abgabetermin für das Manuskript verstrichen, doch noch immer ahnt niemand, dass er noch nicht einmal eine einzige Zeile geschrieben hat. Das Bild eines Bankers in der Zeitung beschert ihm endlich die lang ersehnte Inspiration: es ist das Bild eines Mannes, dem die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben ist.

Meike wartet dringend auf das nächste Manuskript von Henry um es ins Deutsche  zu übersetzen.  Denn mit dem Honorar dafür kann sie sich ihr neu gekauftes Bauernhaus im Norden von Hamburg auch tatsächlich leisten und, schon weit banaler, sich überhaupt ihr Leben leisten, das so ganz ohne Geld überaus kompliziert werden kann. Den Kredit für den Kauf ihrer neuen Bleibe hatte sie über eine dieser dynamischen britischen  Banken erhalten, die praktisch niemals nach Sicherheiten fragen und von Meike auch keine hätten bekommen können.

Jasper ist Banker in Chicago, gerade zurück von einem Seminar, das ihm in seinem Job den richtigen Anschub geben soll, tritt an um die  nächsten Stufe der Karriereleiter zu erklimmen. Ein kleiner Fehler, der aus der Gefälligkeit einem Kollegen gegenüber entsteht, wird schon nach kurzer Zeit zu einem Pyramidenspiel, in dem der Einsatz immer weiter erhöht werden muß.  Die Aktien jener Bank, die Meike zu ihrem Kredit verhalf, beginnen zu seinem ganz persönlichen Waterloo zu werden und rein zufällig ist Jasper auch der Mann auf dem Bild in der Zeitung, das Henry in seine Bann gezogen hat.

Als Meike sich mit dem letzten Rest ihrer finanziellen Reserven nach Chicago aufmacht, um Henry, den sie bis dahin noch nicht persönlich kannte, zu treffen und sich das Manuskript selbst  abzuholen,  beginnen sich die Wege der drei Menschen auch in der realen Welt zu überschneiden.

Meike sucht Henry, trifft dabei auf Jasper, der gleich starke Gefühle für sie hegt.

Jasper sucht Meike,  trifft dabei  Henry, der 15 Jahren nach der Trennung von Andrew endlich der Einsamkeit entfliehen will und dabei alle Vorsicht gegenüber Jasper ausser Acht lässt.

Meike trifft Henry, der ihr nicht verziehen hat, dass sie einige Monate zuvor in einem Brief ein paar Passagen seines letzten Buches hinterfragt hatte – denn das steht einer Übersetzerin nicht zu!

So wird wird alles zu einem Buch über die Finanzkrise, über die Einsamkeit von Menschen inmitten von tausenden anderer Menschen, über den Versuch, den eigenen Vorstellungen über sich selbst gerecht zu werden.

Eine rasante Geschichte, die davon lebt, dass sich das Karussel der  Ereignisse rund um  Heike, Jasper und Henry immer schneller dreht. So schnell, dass man aufpassen muss, nicht selbst schwindlig dabei zu werden und den Faden zu verlieren.

Unter welchen Umständen wird das nächste Treffen erfolgen ? Wo werden Zufall und Ereignisse Meike, Jasper und Henry wieder zusammen bringen ? Daraus entsteht der eine Teil der Spannung der Geschichte. Der andere Teil ensteht aus der  Gegenüberstellung von eigenen Gedanken und Überlegungen zum dem, was wirklich passiert. Dafür ist die Ich-Form, in der alle drei unabhängig voneinander die Geschichte erzählen, genau die richtige Stil-Form.

Macht insgesamt viel Spaß beim Lesen – immer mehr, je länger man liest –  und am Ende kann man sich auch noch vorstellen wie das alles begann mit der Finanzkrise, damals im Jahr 2008 :-)


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