Patrick Süßkind: Das Parfum
Die Geschichte eines Mörders

verfasst am 26.01.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Romane, Süskind, Patrick

Bin wieder da! (Copyright by J. Haider).

In Zeiten wie diesen kein Beitrag zu welch Thema auch immer ohne kleine politische Anmerkung. Beinahe zeitgleich mit dem Aufstieg des inzwischen verblichenen Kärntner Gottmenschen begann sich der Geruch des Parfums auf der Bühne der Weltliteratur auszubreiten. Unfassbare 316 Wochen stand das Buch auf der Bestsellerliste des „Spiegel“, wurde in 46 Sprachen übersetzt und erreichte bisher eine Auflage von 15 Millionen.

Wir schrieben das Jahr 1985 und der Begriff „Hype“ war noch nicht erfunden, aber das war schon so was wie Hysterie. Manche LeserIn dieses Blogs hat vielleicht damals noch gar nicht lesen können, aber heute können sie es, weil sonst wären sie gar nicht bisher gekommen.

Ich habe das Parfum am Erscheinungstag förmlich verschlungen, mich quasi damit imprägniert. Ein viertel Jahrhundert später habe ich nochmals den Flakon geöffnet und der Roman hat absolut nichts von seiner Faszination und seinen sprachlichen Düften verloren. Ein Merkmal welches die Klassiker der Weltliteratur einfach, auszeichnet.

Patrick Süskind erzählt die Geschichte des Mörders Jean Baptiste Grenouille, der am 17. Juli 1738 auf einem schmutzigen, stinkenden Pariser Fischmarkt das Licht der Welt erblickt. Da seine Mutter ihn für nicht lebensfähig hält, will sie ihn am Ende des Tages (Copyright by Herbert Haupt) mitsamt den Fischabfällen in der Seine entsorgen.

Aber ein kräftiger Schrei rettet dem Neugeborenen das Leben und beendet damit jenes seiner Mutter – sie wird kurze Zeit später verurteilt und geköpft. Jean Baptiste wird von Amme zu Amme gereicht. Jede von ihnen möchte ihn so schnell wie möglich wieder loswerden, er sei zu gierig, vom Teufel besessen, er verbreitet Angst und Schrecken. Schließlich landet er im Haus der absolut gefühlskalten Madame Gaillard, die ihn ohne Liebe und Religion aufzieht.

Obwohl Grenouille selbst keinerlei Eigengeruch verströmt, besitzt er doch das exakteste Geruchsorgan, das auf diesem Planeten jemals Luft durch die beiden Löcher einsog. Jeden Geruch, jeden Duft, jeden Gestank kann er in seine Einzelteile zerlegen und nach Lust und Laune die Komponenten zu imaginären neuen Düften zusammensetzen.

Grenouille verlässt sich kaum auf seine anderen Sinnesorgane, er sieht, er ahnt, er denkt, er orientiert sich ausschließlich mit und an seiner Nase. Im Alter von acht Jahren übergibt Madame Gaillard den kleinen Grenouille dem Gerber Grimal, der stets Bedarf an jungen Arbeitskräften hatte.

„Es gab nämlich in dem Gewerbe Arbeiten – das Entfleischen verwesender Tierhäute, das Mischen von giftigen Gerb- und Färbebrühen, das Ausbringen ätzender Lohen –, die so lebensgefährlich waren, dass ein verantwortungsbewusster Meister nach Möglichkeit nicht seine gelernten Hilfskräfte dafür verschwendete, sondern arbeitsloses Gesindel, Herumtreiber oder eben herrenlose Kinder, nach denen im Zweifelsfalle niemand mehr fragte.“

Aber Grenouille hat einen stark ausgeprägten Überlebenswillen und als er dem Parfumeur Guiseppe Baldini eine Lieferung Ziegenleder zustellt, macht er ihn auf seine außergewöhnlichen olfaktorischen Fähigkeiten aufmerksam. Baldini kauft daraufhin Grimal den Jüngling ab und Grenouille erlernt die verschiedensten Techniken der Duftgewinnung.

Durch seine Fähigkeiten verschafft er seinem Maitre höchstes Ansehen in Paris und weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Am 1. September 1753 wird Grenouille vom Duft eines 15-jährigen Mädchens unwiderstehlich angezogen und er begeht seinen ersten Mord – sehr viele sollten noch folgen.

„Sie war so starr vor Schreck, als sie ihn sah, dass er viel Zeit hatte, ihr seine Hände um den Hals zu legen. Sie versuchte keinen Schrei, rührte sich nicht, tat keine abwehrende Bewegung. Er seinerseits sah sie nicht an […] hielt seine Augen fest geschlossen, während er sie würgte, und hatte nur die eine Sorge, von ihrem Duft nicht das Geringste zu verlieren.“

Daraufhin wird Grenouille sterbenskrank, da die Kenntnisse und Fähigkeiten Baldinis nicht ausreichen, ihm jene Techniken zu vermitteln, um das Parfum eines pubertierenden Mädchens zu destillieren. Schließlich erfährt er aber von Baldini, dass in Grasse im Süden Frankreichs, die besten Parfümeure der Welt tätig sind.

Er schöpft wieder neue Hoffnung, lässt sich von Baldini einen Gesellenbrief ausstellen und macht sich auf den Weg ins Paradies der Dufterzeugung.

Hat mich bei der erstmaligen Lektüre vor allem die atemberaubende Geschichte fasziniert, so war es diesmal vorwiegend die Sprache des Romans die mich wiederum fest in ihren Bann zog. Wie die hochwasserführende Seine reißt sie alles mit, gegen den Strom zu schwimmen ist zwecklos. Im Nu schwemmt es einen an das Ende dieses außerordentlichen Romans. Ein wunderbares Buch über das Suchen und schlussendlich das Finden der Liebe.

Schlicht und einfach ein Meisterwerk!


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Purtext am 18.04.2010 um 09:57 Uhr Uhr

    Die ganze Welt kennt den unvergesslichen, großartigen Roman „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind.
    Indes kennen nur Wenige die Erzählung „Die Geschichte von Herr Sommer“, eine kleine in sich stimmige wunderbar erzählte Geschichte von Patrick Süßkind, die ich jedem Leser ans Herz legen möchte.

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