Alan Bradley: Schweigsame Nonnen plaudern gern
Flavia de Luce (12)
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Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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Der anachronistische Titel dieses Krimis, der sich als 12. Band einer englischen Krimi-Reihe entpuppt hat, hat mich neugierig auf den Inhalt gemacht. Schon der Klappentext verspricht ein ungewöhnliches Setting, weshalb meine Erwartungen ziemlich hoch gewesen sind.
„Im Orden der Mildreichen Schwestern stirbt eine Nonne. Doch bei der Leichenwaschung stellt sich heraus: Sie war keine Frau, sondern eigentlich ein Mann! Und der Körper weist noch dazu verheilte Schusswunden auf.“
Wie kann das sein, dass man während mehrerer Jahre des engen Klosterlebens, nicht merkt, einen Mann unter den Mitschwestern zu haben? Also wird Flavia de Luce, ein vierzehnjähriges Mädchen mit besonderen Fähigkeiten, auserkoren, das Geheimnis zu lüften. Man will ja einen Skandal verhindern. So weit beinahe nachvollziehbar. Doch was dann kommt, ist mehr als eigenartig. Obwohl Flavia gemeinhin als Detektivin bezeichnet wird (und in der Vergangenheit 11 Fälle gelöst hat), wird kaum ermittelt oder was man dafür hält.
Wer die Reihe von Beginn an verfolgt hat, wird wissen, dass Flavia de Luce ihren ersten Fall („Mord im Gurkenbeet“) mit elf (!) Jahren gelöst hat, dem zuständigen Ermittler Inspector Hewitt nicht nur gehörig auf die Nerven geht, sondern ihm häufig einen Schritt voraus ist und am liebsten mit Chemikalien abseits eines Chemiebaukastens hantiert, die hin und wieder in kleineren oder größeren Katastrophen münden. Die Kenntnisse von chemischen Elementen spielen hier auch eine Rolle, denn die Hände der vorgeblichen Nonne sind in schwarze Handschuhe gehüllt, was Flavia daran erinnert, dass Marie Curie ihre durch radioaktive Strahlung geschädigten Hände ebenfalls unter Handschuhen verborgen hat. Jetzt gilt es „nur“ noch herauszufinden, wo sich der Tote diese Verletzungen zugezogen hat und woran er wirklich gestorben ist.
Meine Meinung:
Diese Idee bzw. dieser Handlungsstrang des Toten im (Frauen)Kloster wäre eine interessante Geschichte, wenn auch durch die Person Flavia de Luce nicht ganz glaubwürdig. Für mich völlig unnötig sind die Querelen mit ihren beiden Schwestern, die sich ebenfalls durch eigenartiges Verhalten „auszeichnen“. Wegen dieser seltsamen Familienmitglieder tritt der Tod des Mannes völlig in den Hintergrund. Die „Ermittlungen“ bestehen vorrangig aus dem Lesen von alten Tagebüchern, die mögliche Hinweise auf die Herkunft des Mannes enthalten. Nun ja. Ich habe manchmal den Eindruck gehabt, dass Teile einzelner Kapitel fehlen bzw. Szenen ohne sichtbaren roten Faden aneinander gereiht worden sind.
Für mich ist das, obwohl ich gerne zwischendurch auch Cosy-Krimis lese und englischen Humor durchaus schätze, irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Diese Krimi-Reihe wird damit beworben, eine Ähnlichkeit mit der Netflix-Serie „Wednesday“, die sich an „The Addams Family“ anlehnt, zu haben. Ich kenne nur die ursprüngliche TV-Reihe aus dem Jahr 1964, die ich herrlich finde. Aber wahrscheinlich bin ich für diese Art von Krimi die falsche Zielgruppe.
Der eigenwillige Titel erklärt sich im Laufe des Lesens. Wie, das verrate ich jetzt nicht. Das ist für mich das interessanteste daran.
Möglicherweise liegt es an meiner Unkenntnis der elf Vorgänger, obwohl ich üblicherweise kein Problem habe, spät in eine Reihe einzusteigen. Vielleicht sollte ich den ersten Band aus der Bibliothek ausborgen und lesen, um besser in diese verworrene Familiengeschichte hineinzukommen.
Fazit:
Die Idee, die Herkunft und den Tod eines in einem Frauenkloster sichtlich versteckten Mannes zu entwirren, hat für mich recht ansprechend gewirkt. Die Umsetzung leider nicht, vermutlich bin ich bin für diese Art von Krimi die falsche Zielgruppe. Für dieses Buch kann ich leider nur 2 Sterne vergeben.