Buchbesprechung/Rezension:

Michael Sommer: Dirty Rome
Die schmutzige Seite der Antike

Dirty Rome
verfasst am 13.09.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Jede Medaille hat zwei Seiten – die Weltstadt Rom auch

Da ich im Moment eine „Römische Phase“ habe, komme ich nach „Die Kaiser von Rom“ (Mary Beard) und „Fulvia“ (Jane Draycott) an diesem hier, das die schmutzige Seite der Antike zum Thema hat, nicht vorbei.

Historiker Michael Sommer, von dem ich schon „Mordsache Caesar“ gelesen habe, hat mich auch mit diesem Buch gefesselt. Natürlich ist mir bekannt, dass die reichen und schönen Römer (absichtlich die männliche Form, da Römerinnen mit ganz wenigen Ausnahmen nichts zu sagen haben) nur eine kleine elitäre Schicht gewesen sind, deren Reichtum nicht vom Himmel gefallen ist, sondern häufig durch schmutzige Tricks und Brutalität erworben worden ist.   

Mit detaillierter und penibler Recherche, geht Sommer dem antiken Rom abseits von Glamour, Marmor, Purpur und Gold nach. Er entführt uns in die suburba, wo die insulae, jene mehrstöckigen, wackeligen Wohnhäuser, die, weil teilweise aus Holz errichtet, häufig einem Brand zu Opfer fallen und dabei gleich ganze Bezirke einäschern. Hier stellt sich die Frage, ob Immobilienspekulanten dem nicht Vorschub geleistet haben? Statt baufälliger Mietshäuser lassen sich prachtvolle Villen inklusive Gärten sehr viel besser verkaufen. Und der „Bedarf“ an prächtigen Villen ist groß. So werden auch immer wieder Immobilien von in Ungnade Gefallenen von „Amtswegen“ eingezogen und an Günstlinge abgegeben. Zudem braucht man Platz für die Errichtung von Mausoleen und Tempel. Da ist es doch praktisch, dass man von Konskriptionen Gebrauch machen kann.

Doch es sind nicht nur die prekären Wohnverhältnisse, die ganze Familien ausgerottet haben, sondern auch tödliche Krankheiten mit denen sich die Bewohner, weil sie dicht an dicht gewohnt haben, gegenseitig angesteckt haben. Auch der Tiber, in den alle Abfälle, von menschlichen Exkrementen über Tierkadavern bis hin zu menschlichen Leichen, geworfen werden, verbreiten übelste Gerüchte und Krankheiten wie Cholera und Typhus, weil aus ihm Trinkwasser entnommen und die Wäsche darin gewaschen wird. Man mag sich den Gestank gar nicht vorstellen!  

Doch ist nicht das einzige, das Rom den zweifelhaften Ruf der „Dirty City“ einbringt: Es sind vor allem die Mächtigen, die Frauen, Sklaven und jene Menschen vom Rand der Gesellschaft wie den sprichwörtlich letzten Dreck behandelt. Und wer Macht hat, missbraucht sie. Korruption, Vetternwirtschaft und Wahlmanipulation grassieren – alles keine Erfindungen der Neuzeit. Der größte Teil der Menschen sind Analphabeten und daher auf Hörensagen angewiesen, was sie stets höchst mangelhaft informiert, ständig Gerüchten und Fake News ausgesetzt sein lässt.  

Nur ganz wenigen gelingt es, aus der suburba und den insulae zu entkommen – Gaius Iulius Caesar ist einer von ihnen. Umgekehrt ist es ein Leichtes, vom wohlhabenden Bürger Roms ins Elend abzurutschen. 

Wie häufig, zahlt die Mehrheit der Bevölkerung mit dem eigenen Elend den Wohlstand einer Minderheit. Wer allerdings glaubt, solche Verhältnisse gäbe es nur in Rom, wird hier eines besseren belehrt. Da der Autor das Buch „Wirtschaftsgeschichte der Antike“ geschrieben hat, kann er für dieses hier aus dem Vollen schöpfen und einige Beispiele anführen.  

Ich mag den Schreibstil des Autors, der niemals belehrend ist. Beinahe (aber nur beinahe) im Plauderton erzählt er über das dreckige Rom, das immer im Schatten des weiß glänzenden Marmors steht. Wer sich mit dem Rom der Thermen und Triumphbögen auseinandersetzt, darf auf den zur Kloake verkommenen Tiber nicht vergessen.  

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das ein etwas anderes Rom zeigt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.




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