Buchbesprechung/Rezension:

Solveig Grothe, Martin Pfaffenzeller (Hrsg.): Die Römer in Germanien
Wie die antike Weltmacht Deutschland prägte

Die Römer in Germanien
verfasst am 02.08.2026 | einen Kommentar hinterlassen


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500 Jahre römischer Präsenz in Germanien, das entspricht der Zeitspanne vom 30-jährigen Krieg bis heute. Es ja ein bekanntes Phänomen, dass lange zurückliegende Epochen kürzer erscheinen – doch 500 Jahren sind ausreichend Zeit, um viel entstehen und wachsen zu lassen, das bis heute wirkt.

Das geht so weit, dass sich – zumindest statistisch gesehen – noch in der Gegenwart merkbare Nachwirkungen in Gesellschaft und Entwicklung in den ehemaligen römischen Provinzen Germanien im Unterschied zum nicht kolonisierten Teil messen lassen.

22 Aufsätze und Interviews von und mit Historikerinnen und Historikern, vor allem aber Redakteurinnen und Redakteuren des SPIEGEL beschäftigen sich mit offensichtlichen aber auch weniger prominenten Themen, wie

  • Die historische Entwicklung der Expansion Roms
  • die fälschlich als „die Germanen“ bezeichneten Völker östlich des Rheins, die doch in Wahrheit eine gar nicht homogene Gruppe von Stämmen waren, die oft nicht einmal über eine gemeinsame Sprache verfügten.
  • Wann diesen Bild der heldenhaften Germanen mit dem Flügelhelm entstand 
  • Wie schon damals die Luftverschmutzung quasi erfunden wurde und riesige Müllhalden bis heute als Hinterlassenschaft existieren.

Mit einer Vielzahl von Beispielen unterlegt, führen die Autorinnen und Autoren vor Augen, welchen Nachhall die römische Zivilisation in Mitteleuropa hat. Wobei auch die negativen Aspekte zur Sprache kommen. Wenn zum einen Architektur, Politik, Justiz auf der Habenseite stehen, so dürfen Sklaverei und brutale Gewaltanwendung und Entvölkerung ganzer Landstriche nicht vergessen werden.

Was bis heute das Bild „der Germanen“prägt, des entstand zum Großteil im Zuge des aufkommenden Nationalismus im 19. Jahrhundert. Denn für die Erhöhung des Selbstwertgefühls der Deutschen boten sich die Germanen als heroische Urahnen an. Untermauert wurde das damals mit pseudowissenschaftlichen vermeintlichen Belegen – aber erst die Naziideologen gingen mit ihrer Geschichtsfälschung so weit, die Germanen sogar als die wahren Urväter sogar der griechischen Antike hochzustilisieren:

Aus dem nordischen Bauernhaus entwickelte sich durch Weiterbildung und Vervollkommnung der griechische Tempel
Zitat aus einem SS-Schulungsheft (S. 191)

Zentrales und bekanntestes Ereignis in der gemeinsamen Geschichte des Römischen Reiches und Germaniens ist die berühmte Varus Schlacht, in der ein germanisches Heer drei römische Legionen vollständig vernichtete. In mehreren Aufsätzen wird darauf Bezug genommen und wie im deutschen Kaiserreich daraus eine germanische Heldengeschichte rund um den germanischen Anführer Arminius wurde.

Die sichtbarsten Hinterlassenschaften der Zeit sind natürlich die römischen Stadtgründungen, die sich im in Lauf der zwei vergangenen Jahrtausende zu städtischen Zentren entwickelten. Darunter Köln Regensburg, Trier, Nijmegen und viele weitere bekannte Orte.

Zusammengefasst:

Kurz und knapp und sehr informativ sind die Eckpunkte der Geschichte des Römischen Reiches in Mittel- und Nordeuropa nachzulesen.

Eine überaus informative und gut überschaubare Zusammenfassung, ergänzt mit Zeittafeln, über einen der Grundpfeiler unserer heutigen Gesellschaft. „Die Römer in Germanien“ ist Buch auch für weniger geschichtsaffine Leserinnen und Leser, die sich damit einen kompakten Überblick über die historischen Ereignisse verschaffen können.




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