Tom Finnek: Düsterholz 1976
Münsterland-Krimi
Autorin/Autor:
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Harald
Online bestellen:
Im Jahr 1976 befand ich mich gerade in der Hochblüte meiner Pubertät. Um es vorwegzunehmen: Manches in diesem Krimi hat mich in diese Zeit zurückversetzt und an heute nicht mehr vorhandene Dinge wie grüne Polizeiuniformen oder die damals sehr bekannte Zigarettenmarke „Lord Extra“ erinnert. Aber das sei nur am Rande erwähnt und sagt vor allem etwas über die Atmosphäre der damaligen Zeit aus.
In dem fiktiven kleinen Ort Düsterholz, in dem jeder jeden kennt, wird Polizeihauptmeister Anton Hellmann zu einem vermeintlichen Verkehrsunfall gerufen. Am Unfallort stellt Anton fest, dass die junge Frau gefälschte Ausweispapiere bei sich trägt – und dass ihr Tod kein gewöhnlicher Unfall war.
Antons ruhige und besonnene Art, an die Ermittlungen heranzugehen, baut Spannung auf und lässt den Leser die Figur zunehmend sympathischer und vertrauter wahrnehmen.
Die Spannungen mit seinem Vorgesetzten sorgen immer wieder für humorvolle Wendungen und bereichern die Geschichte. Auch die für das Münsterland typische Kirmes findet ihren Platz im Roman und trägt zur authentischen Atmosphäre bei.
Hinzu kommt, dass Anton Hellmanns Nichte Christa in der Toten eine Bekannte aus ihrer Vergangenheit in Berlin erkennt. Durch diese Begegnung wird sie zugleich an weniger schöne Ereignisse aus dieser Zeit erinnert.
Mit jeder neuen Spur stößt Anton auf weitere Lügen, Schuld und Gewalt hinter der scheinbar heilen Fassade des Dorfes.
„Oh ja, sie kannte diese Frau auf dem Foto, allerdings nicht als Annemarie Heidel aus Dortmund, sondern unter dem Namen Heike Görtz. Und Christa hatte sie nicht irgendwo gesehen und kennengelernt, sondern in Berlin. Ende der Sechziger.“
Manni Beckmann alias Tom Finnek baut zudem einen zweiten Handlungsstrang ein. Christas Suche nach ihrem unbekannten Vater verleiht dem Krimi eine zusätzliche emotionale Ebene und verbindet Vergangenheit und Gegenwart der Figuren.
Fazit
Der Roman lebt von der eindrucksvollen Beschreibung der Atmosphäre des Münsterlandes in den 1970er Jahren – einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche und Verunsicherungen, geprägt von der Hippiebewegung und vor allem von der Gewalt der RAF-Zeit. All diese Elemente werden gekonnt mit einer klassischen Krimihandlung verwoben.
Besonders interessant und gelungen finde ich die Beschreibung der einzelnen Figuren. Die Handlung entwickelt sich schlüssig und bleibt bis zum Ende gut nachvollziehbar. Der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Geschichte hinweg erhalten.
Tom Finnek lässt einige, vor allem persönliche Fragen der handelnden Figuren offen. Dadurch schafft er interessante Anknüpfungspunkte für den zweiten Band der als Trilogie angelegten Reihe.
Ein absolut lesenswerter Krimi, der Lust auf mehr macht.