José Luis Munuera, H.G. Wells: Der Mann, der Wunder vollbringen konnte
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Es wird wohl kein Zufall sein, dass diese gezeichnete Version von H.G. Wells‘ Kurzgeschichte „The Man Who Could Work Miracles“ aus dem Jahr 1898, gerade jetzt, im Jahr 2026, erscheint.
Das Original habe ich nicht gelesen, laut dem einleitenden Text beinhaltet die Story in dieser Ausgabe nur ein Teil des Originals. Das aber reicht schon aus, um den zugrunde liegenden Gedanken zu verdeutlichen.
Durch einen Zufall stellt Mr. Fotheringay fest, dass er alleine durch seine Gedanken etwas realisieren kann. Tatsächlich möchte er einigen Leuten beweisen, dass Wunder ein Hirngespinst sind. Dass aber just in diesem Moment zum ersten Mal nach seinem Wunsch etwas geschieht, das muss dann wohl doch ein Wunder sein. Zunächst als Zufall abgetan, auch von Mr. Fotheringay selbst, lässt er es sich doch nicht nehmen, schon wenig später noch einen Versuch zu unternehmen, der ebenso wieder gelingt. Wem aber soll er von seiner neuen Kraft berichten, es glaubt ihm ja doch niemand.
Bis er endlich bereit ist, dem Pastor Maydig ein Beispiel zu geben. Natürlich ist der Mann der Kirche bald überzeugt, der Glaube an Wunder gehört ja zu seinem Job, und sieht schon genau vor sich, was man alles vollbringen kann mit so einem Mann wie Fotheringay an der Seite.
Dem aber wird seine eigene Kraft bald unheimlich, weil er erkennen muss, dass ein Wunder nicht immer etwas Nützliches sein muss, sondern es mehr und mehr Leute und Gelegenheiten gibt, rein selbstsüchtige Wunder zu fordern. Dafür will sich Fotheringay aber nicht hergeben.
Aus einem einfachen Mann wird in dieser Geschichte einer, der ganz plötzlich allmächtig ist. Wie soll das einen Menschen nicht verführen? Nun, Mr. Fotheringay erkennt die Gefahr diese Allmacht und beendet sie, bevor ein großes Unglück geschehen kann. Sein letzter Wunsch ist, keine Wunder mehr vollbringen zu können.
Damit unterscheidet er sich sehr deutlich von denen, die sich gerade jetzt (damit meine ich die Gegenwart des 21. Jahrhunderts) allmächtig fühlen und völlig skrupellos und ausschließlich zu Befriedigung eigener Bereicherung agieren. Wer das ist? Ein Blick in die täglichen Nachrichten reicht, um die Namen zu finden. Zu hoffen, dass einer dieser Männer solche Einsicht zeigt wie Mr. Fotheringay, ist aber fern jeder Realität.
Im Stil spiegelt diese Graphic Novel ganz wunderbar (!) die Zeit des späten 19. Jahrhunderts wider, wie den Menschen sich kleideten, wie die Straßen aussahen, wie man sich miteinander unterhielt. Immer mit dabei ist ein satirischer Einschlag, voller witziger Szenen in denen der Held der Story alles versucht, um herauszufinden, warum gerade er Wunder vollbringen kann, ob er es wirklich kann oder ob es sich doch um eine Form von Illusion oder gar Wahnvorstellungen handelt.
Es ist eine rundum gelungene Umsetzung von Wells‘ Erzählung, die sich dabei als zeitloses Spiegelbild der Menschen erweist.