Tschingis Aitmatow: Dshamilja

Das Büchlein, mehr eine Novelle mit 121 Seiten, inkl. des ausführlichen Vorworts von Louis Aragon, ist eine Geschichte voll Melancholie, Schwermut, vor dem Hintergrund des zentralasiatischen Kirgisien, und des zweiten Weltkrieges, im Sommer 1943, in dem Dshamiljas Mann an der Front ist.

Der Autor kommt selbst aus Kirgisien, auch deshalb gelingt es ihm sicher so wunderbar die Atmosphäre, die Stimmung dieses Landes so eindringlich zu schildern.

Aragon bezeichnet die Geschichte als „die schönste Liebesgeschichte der Welt“. Es ist eine wunderbare Geschichte, ob sie “die schönste Liebesgeschichte der Welt“ ist kann ich nicht beurteilen. Sie hat mich auf jeden Fall sehr berührt.  

Sie erzählt vom harten Leben der Familienclans, von der schweren Arbeit auf den Feldern, und von zwei Liebenden.

Der Autor lässt die Geschichte von Dshamilija durch das Kind Said erzählen. Er fühlt sich als Beschützer von Dshamilja, und bewahrt sie vor gar zu zudringlichen „Kerlen“. Frauen wurden wohl als Freiwild angesehen. Aber auch Dshamilja wusste sich zu wehren. Sie war  eine verheiratete Frau und hatte sich eingedenk dieser Tatsache  auch entsprechend zu verhalten, das wurde von ihr erwartet.

Aitmatow schildert  einfühlsam und voll Poesie die Geschichte von Dshamilja und Dainjar, der eines Tages in den Ort kommt. Ein durch den Krieg körperlich und seelisch verwundeter junger Mann. Dainjar verdingt sich als Taglöhner, hilft da und dort aus, lebt aber für sich allein, er sondert sich ab, er wird in der Dorfgemeinschaft nicht aufgenommen. Bei ihren gemeinsamen Arbeiten hänseln Dshamilja und Said den Burschen, ohne ihn aus der Reserve  locken zu können. Bis sich eines Tages etwas Wundersames ereignet – Dainjar fängt an zu singen und verzaubert mit seiner wunderschönen Stimme seine beiden Begleiter.  Eine ganz besondere Stimmung legt sich über die Natur.   Dainjar und Dshamilja  erkennen plötzlich, dass sie sich lieben und ohne einander nicht mehr leben wollen. Sie ziehen mit ihrem wenigen Hab und Gut weg aus dem Dorf.

Diese berührende Geschichte kann man wohl in einem Zug durchlesen, sie lässt einen aber nicht so schnell los, sie hallt nach, und mich wird sie gedanklich noch eine Weile begleiten.



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top