Diana Beate Hellmann: Aus Liebe zu ihm

verfasst am 16.01.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Hellmann, Diana Beate, Romane

Ihr erinnert Euch vielleicht noch: Diana Beate Hellmann ist jene Autorin, die vor einigen Jahren mit der Geschichte ihrer Krebserkrankung, die unter dem Titel „Zwei Frauen“ erschienen ist, einen Weltbestseller landete. Seitdem schreibt Sie – mit teilweise erheblichem Erfolg – weitere Bücher. Soweit – so gut.

Wenn Sie eigene Erfahrungen verwertet, so ist das meist sehr spannend, zumal Frau Hellmann extrem ehrlich gegen sich selbst ist. Wenn Sie aber meint, eigene (oder die Erfahrungen anderer, so genau ist das bei diesem Buch nicht ersichtlich) Erfahrungen auch noch in eine spannende Handlung einbetten zu müssen, so ist dies zum Scheitern verurteilt.

Dies gilt auf jeden Fall für dieses Buch. Es geht erneut um eine Grenzerfahrung – und daran ist das Leben der Autorin wahrlich nicht arm – wie in einer weiteren Rezension, die morgen folgt, zu lesen sein wird: Ihr Mann, den sie sehr liebt, erkrankt an Prostatakrebs.

Was sie da erzählt, ist durchaus spannend und nachvollziehbar: Sie beschreibt die Ängste, die ein Paar mittleren Alters hat, wenn einer der beiden an Krebs erkrankt. Wunderbar offen und ehrlich ist zu lesen, was auf einen Mann zukommt, der sich einer radikalen Prostatektomie (einer Komplettentfernung der Prostata) unterziehen musste.

Auch auf die Veränderungen, die das für eine Paarbeziehung mit sich bringt, geht sie, erfreulicherweise, viel offener ein, als das in anderen Werken zu lesen ist. Vor allem diese Ehrlichkeit, auch sich selbst und ihrem Partner (wenn es sich denn um die beiden handelt) ist frappant und manchmal direkt körperlich schmerzhaft. So wird der Partner durchaus nicht immer liebenswert dargestellt, sondern wohl eher so, wie er ist, ein ziemlicher Chauvinist. Und die Ich-Erzählerin? Neurotisch ist noch das netteste Wort, das mir dazu einfällt.

Gerade deshalb ist dieser – in der Reihe „Erfahrungen“ erschienene Band – trotzdem lesenswert.

Wieso allerdings diese an sich schon mehr als tragfähige Geschichte unbedingt in eine abstruse Serienmörderstory eingepackt werden musste, verstehe ich nicht. Sollte dies das Buch „spannender“ machen? Mehr „romanhafter“? Meiner Ansicht nach ist das nicht nur nicht notwendig, sondern macht einen interessanten Erfahrungsbericht zu einem verschwurbelten Roman. Und das ist schade.

Müsste ich spekulieren, würde ich sagen, sie tut das, um das Geschehene aus einer distanzierteren Position betrachten zu können; um die eigene Geschichte nicht zu nah an sich heran lassen zu müssen. Das ist nicht gelungen und wertet das Buch, das an sich sehr interessante Informationen für Betroffene liefert, deutlich ab.



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