Black, Tony: Geopfert

verfasst am 03.09.2011 von | 1 Kommentar
Rubriken: Black, Tony, Thriller

Im wahren Leben braucht man ja normalerweise nur ein paar Sekunden, um einen Menschen einzuordnen – sympatisch oder unsympatisch. Umgelegt auf diese Buch bedeutetet das: drei Seiten und dann war mir Gus Dury, der „Held“ dieses Romans zur unsympatischten Romanfigur seit langem geworden.

Der Beginn des Buches handelt von den Befindlichkeiten eines Alkoholikers und Kettenrauchers auf einem steilen Weg bergab, ein wenig Selbstkritik, schon mehr Selbstmitleid und überraschenderweise einem neuen Job. Gus Dury hatte also von Beginn an gar nicht viel Chancen, zum Liebling aller Schwiegermütter zu werden. Aber es muss ja auch nicht gleich ins absolute Gegenteil gehen..

Neben dieser Gus Dury Hauptgeschichte gibt es auch noch die über Billy Boy. Der war nur 20 Jahre alt geworden und ein geruhsames Lebensende war ihm nicht vergönnt gewesen. Der Junge hatte sich augenscheinlich mit den ganz falschen Leute zusammen getan (oder angelegt) und musst das mit Höllenqualen büßen, die er vor seinem Tod erlitt. Der ehemalige Journalist Gus Dury soll als Ermittler den Mörder von Billy Boy finden, das wünscht sich zumindest dessen Vater.

Denn von der Polizei ist in dieser Richtung nichts zu erwarten, ein Mord unter Gangstern kommt denen ja meistens recht gelegen, auch wenn es im Fall von Billy Boy nie und nimmer ein Selbstmord sein kann, so wie behauptet wird.

Schritt 1 der Ermittlung ist also folgerichtig ein tiefer Blick, nicht nur ins Glas, nein auch ins Innenleben des Gus Dury. Wir befinden uns in einer der nicht ganz so tollen Ecken von Edinburgh, Dury ist Schotte und passionierter Whisky-Vernichter.  Ob alle Schotten einen so coolen Spruch drauf haben weiß ich nicht, aber Gus hat sichtlich das Vorhaben, der coolste von allen zu sein. Schlecht ist dabei nur, das er aussieht wie ein Penner, ungepflegt, verlottert, in Gedanken immer auf der Suche nach dem nächsten Hochprozentigen – lauter Sachen, die eher das Gegenteil von cool verheissen.

Sein Hang zu selbst geleerten Flaschen hat ihm schon seinen viel versprechenden Job als Journalist und seine Ehe gekostet, wenn er nicht bald etwas ändert, dann wird ihm dieser Hang bald auch noch sein ganzes Leben kosten. Fraglich also, ob er dem Auftrag überhaupt gewachsen sein wird.

Doch Gus ist fest entschlossen, diesen Job nicht zu versauen. Mit neuer Frisur und neuem Outfit macht er zumindest optisch einen besseren Eindruck und sich selbst voller Elan an die Arbeit (Geblieben sind ihm aber der permanente Alkoholspiegel und das Kettenrauchen).

Seine guten Verbindungen aus seiner Zeit bei der Zeitung hat er noch, dazu gekommen sind noch ein paar aus seiner Zeit des sozialen Abstieges und das nutzt Gus und startet seinen Recherchen. Dabei ist er natürlich der Leserin/dem Leser gegenüber im Vorteil. Denn Gus kennt alle Typen, alle Lokale, alle Spitznamen, lokale und regionale Berühmtheiten  und überhaupt alles dort in Edinburgh und Umgebung und wirft mit all diesen Namen und Orten und Bezeichnungen nur so um sich – und ich lese das und verstehe manchmal nur Bahnhof.

Über (über)betont coole Krimisprache in Büchern kann man ja geteilter Meinung sein. Ich habe dabei manchmal so ein Bild mit diesen Gangsta-Rappern vor Augen, behangen mit Goldketterln und umschwirrt von leicht bekleideten Frauen (ein Bild, das bei mir leichten Brechreiz verursacht). Die reden bzw. rappen dann so, wie sie glauben, dass sie reden müssten, wenn sie die Über-Hammer-Tollen-Typen wären.

Nun, wenigstens glaubt Gus Dury von sich nicht ein Über-Hammer-Toller-Typ zu sein – wäre auch ein wenig lächerlich – und so sind die derben und voll-coolen Sprüche wirklich das Einzige, was ihn mit den Gangsta-Rappern verbindet. Warum also dieser Vergleich? Ich mag ihn (Gus) am Ende des Buches noch immer nicht, genauso wenig wie die Goldketterl-Gangsta-Rapper aus den Musikvideos. Und Permanent-Saufen und -Rauchen und zwischendurch ein paar Fressen polieren finde ich persönlich jetzt nicht ganz so pickelnd und ein ganzes Buch damit zu füllen ein wenig zu dürftig.

Tony Blacks mittlerweile vier Bücher mit Gus Dury sollen in England ja richtige Renner sein (was bedeutet, dass Gus Dury sich noch nicht tot gesoffen hat). Ob es bei uns im deutschsprachigen Raum auch ein Renner werden wird – da habe ich so meine Zweifel. Es ist auf jeden Fall ein Buch, bei dem sich die Geister scheiden werden, da ist von phänomenal bis absolut katastrophal jede Bewertung drinnen.


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  • Kommentar von  Gerry K. am 03.09.2011 um 09:18 Uhr Uhr

    Da bin ich für KATASTROPHAL: das Buch ist wirklich schlimm und ich ärgere mich, dafür Geld ausgegeben zu haben

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