Peter Temple: Wahrheit

verfasst am 12.09.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Temple, Peter

Down-Under im Sommer. Die Hitze hält alles umfangen. Auf dem Land verbrennt sie alles, Wälder, Häuser, Landschaften versinken in Asche. In der Stadt liegt sie wie eine lähmende Masse über allem. So ähnlich könnte man sich Australien vorstellen, wenn man dazu die Nachrichten der letzte Jahre verfolgt.

Mitten drinnen ein Polizist – Steven Villani – Leiter der Mordkommission in Melbourne. Er ist einer,der das globale Schicksal aller geplagten Polizisten teilt: Die Vorgesetzten fordern Ergebnisse, die Untergebenen müssen getrieben werden, die Kompetenz-Streitigkeiten mit anderen Abteilungen sind alltägliches Geschäft. Und dazu gibt es Leute, die sich gegen Ermittlungen zur Wehr setzen, in dem sie irgendwelche hohen Tiere in der Politik oder der Verwaltung aktivieren und Villani bekommt dann wieder ein rote Karte – „bis hierhin, der Rest geht dich nichts an“.

Privat entpricht Villani dem Prototypen des Polizisten, wie er so oft in Krimis (geschrieben und verfilmt) vorkommt: gescheiterte Beziehungen, leicht gestörtes Verhältnis zur eigenen Familie, und so weiter und so fort. Das alles hat mich, abgesehen von der literarischen Aufbereitung, nicht sonderlich überrascht.

Aktuell ist Villani mit dem Mord an einer jungen Frau in einem Nobelappartement beschäftigt. Dann mit den drei Typen, wahrscheinlich irgendwelche Drogendealer, die in einem Lagerhaus gefunden wurden, erst gefoltert, dann erschossen. Und ausserdem muss Villani um seinen Wald bangen, den Wald, den er mit seinem Vater gepflanzt hat und der nun durch das Buschfeuer bedroht wird.

Bei alle dem kann einem schon heiß beim Lesen werden. Nicht, weil es so wahnsinng spannend ist, sondern weil der permantente Wechsel von Dialogen und Gedanken, Orten und Personen ein entspanntes Lesen einfach nicht zulässt. Es ist vielmehr eine wirkliche Herausforderung, vor allem dann, wenn man sich einen rasanten und/oder spannenden Thriller erwartet hat. Ich muss zugeben, dazu gehörte ich auch. Habe nur den Klappentext, nicht aber Rezensionen vorher gelesen und ging daher mit einer ganz falschen Erwartungshaltung as Lesen.

Also: hier bekommt man nichts im Stil von zB. Deon Meyer serviert sondern ein sehr verwobenes, komplexes Werk, dem man sich wirklich widmen muss. Sonst wird das nichts. Wenn man aber den richtigen Draht zum Buch findet, dann ist es sehr dicht, fast überwältigend vielschichtig. Aber eben kein spannender Krimi/Thriller im eigentlichen Sinn.

PS: Die Welt, die Peter Temple schildert ist dunkel, voller Gewalt und Korruption, verlogen und ohne Perspektive.  Wenn man sich nur darauf verlässt, würde man nie auf den Gedanken kommen, sich Australien ansehen zu wollen.

PPS: Zu diesem Buch habe ich viele Rezensionen gefunden, die sich vor Begeisterung nur so überschlagen. Das kann ich aber überhaupt nicht nachvollziehen, ich fand es einerseits zu klischeehaft, andererseits wenig spannend, insgesamt kaum dazu angetan, weitere Romane von Peter Temple zu lesen.



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top