Pucher, Robert: Bärendienst

verfasst am 17.05.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Pucher, Robert

Bärendienst ist bereits der vierte Roman von Robert Pucher, der wieder einmal eine skurrile Handlung um seine altbewährten Protagonisten spinnt:

Der Mord an Bert Kellermeister, einem unerschrockenen Aufdeckerjournalisten, und seiner Putzfrau, die beide in Kellermeisters Bett aufgefunden werden, ruft das Team um die ehrgeizige Polizistin Dr. Simone Reichenbach auf den Plan. Diese ist eine Karrierefrau, die sich lieber um ihre Mordfälle als um ihre kleine Tochter, die sie eher als Unfall betrachtet, kümmert. Dafür dürfen ihr Bruder und sein der Hausarbeit verfallener Mitbewohner herhalten, denn Simone wurde von der neuen Innenministerin, Dr. Pruckner, der Posten des Polizeichefs in Aussicht gestellt. Also bleibt für Privates kaum mehr Zeit. In einem Abbruchhaus wird dann von zwei Obdachlosen (die in verschiedenen Sequenzen regelmäßig auftauchen) noch die Leiche eines Priesters aufgefunden.

Das Team um Simone Reichenbach, bestehend aus Mag. Kleist, der unter den Eskapaden seines zartbesaiteten Lebenspartners Rabih (herrlich überzeichnet), genauso zu leiden hat, wie zu Beginn des Romans unter seiner Flugangst, und Bezirksinspektor Doppler, ein wandelndes Harmageddon, stößt im Laufe seiner Ermittlungen auf einen sonderbaren Geheimbund. Kellermeister war an dieser Sache dran doch die Daten auf seinem Computer wurden vernichtet. Auch die getötete Putzfrau, bei der ein seltsamer Siegelring mit dem Bildnis einer Zitrone eher zufällig entdeckt wird, gibt Rätsel auf. Die Spur führt dann zu Bernau, dem ehemaligen Kanzler, bei dem Kellermeister eine CD-Rom, beinhaltend seine Ergebnisse, deponiert hat.

Aus der Auswertung dieser Daten ergibt sich die Tragweite der Verschwörung, die sich die Übernahme der Macht durch Besetzung wichtiger Posten in Wirtschaft, Politik und Kultur mit Vertrauensleuten und Mitgliedern zum Ziel gesetzt hat. Putzfrauen wollen die reine Ordnung herstellen. Daneben versucht Engelbert Wurst, ein von Dr. Pruckner in ihrer Zeit als Rationalisierin bei einem Telekommunikationsunternehmen gefeuerter Mitarbeiter, an eine Statue zu gelangen, die der Vater der Innenministerin seinem Großvater vor vielen Jahrzehnten auf Kreta geraubt hat. Aber der paranoide Wurst, der im selben Haus wie Bezirksinspektor Doppler lebt, hat einen Plan. Gegen Ende laufen die vielen unterschiedlichen Stränge zusammen und sorgen für ein fulminantes Ende – ein dopplersches Fiasko eingeschlossen.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mir beim Lesen dieses Buches anfänglich etwas schwer tat. Das lag vor allem daran, dass Bärendienst mein erster Kriminalroman von Pucher war und ich mich erst in dessen Stil einlesen musste. Vor allem vielen Figuren und die z.T. slapstickhaften Einlagen waren für mich anfänglich gewöhnungsbedürftig. Pucher übersteigert oft ins Groteske, was einem aber mit der Zeit ebenso wie seine Figuren durchaus sympathisch wird.

Des Autors Stärke liegt einerseits daran, wie er die doch sehr vielschichtige Handlung ineinander verwebt und zum Finale führt. Charaktere und Details greifen wie Zahnräder ineinander und treiben die Handlung voran. Andererseits ist Pucher ein Meister im Umgang mit Klischees, die er reichlich, aber auf eine durchaus charmante Art bemüht. Sein Stil ist leichtgängig und überzeugend zugleich.

Was mir letztlich gefehlt hat, ist ein Blick auf die schwarzen Punkte der menschlichen Seele. Trotz einer gehörigen Portion Zynismus fehlt ein treffsicherer Sarkasmus à la Haas oder Slupetzky. Und auch das dargestellte Bedrohungsszenario (Machtübernahme durch Geheimbund) schien mir in einer Demokratie, die von rechtsrechten Burschenschaftern ebenso wie von Lobbyisten gelenkt wird, nicht wirklich gefährlich.

Bleibt mir nur dem Autor zu wünschen, dass ihm mit diesem Roman der verdiente Durchbruch gelingen möge.



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