Veith, Heinrich: Die Macht des Apothekers

verfasst am 11.03.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Thriller, Veith, Heinrich

Wir schreiben das Jahr 1962. Alfredo Sutterlüthy ist 52 Jahre alt und Apotheker in Moosten, einem kleinen Bergdorf in der Schweiz. Von seiner pflegebedürftigen Mutter tyrannisiert, ansonsten aber frauenlos und auch noch Jungfrau gilt er als eher seltsamer Zeitgenosse – stellt euch vor, das war auch früher schon so!

Eines Tages unterläuft ihm bei der Herstellung eines Herzmedikaments für einen Feriengast ein fataler Dosierungsfehler. Der Tourist verstirbt an Herzversagen, aber niemand entdeckt die wahre Todesursache und die Polizei schließt Fremdeinwirkung aus. Die anfängliche Bestürzung Sutterlüthys verwandelt sich rasch in ein bisher nie gekanntes Überlegenheitsgefühl. Der Apotheker erkennt die Macht seines Berufes und wird zum Herrscher über Leben und Tod in Moosten.

Auguste Tiefenbach, eine unangenehme alte Frau, die ihn regelmäßig erniedrigt, wird sein nächstes Opfer. Er ersetzt den Inhalt von Filmtabletten gegen Verstopfung mit handelsüblichen Gips und verschließt damit die Verdauungsorgane der alten Frau endgültig. Doch dies ist erst der Anfang sich häufender Todesfälle im idyllischen Schweizer Bergdorf.

Beim Begräbnis seiner Mutter (ja, auch sie musste dran glauben!) trifft Sutterlüthy seine Großnichte Marie, die seit dem letzten Treffen zu einer bildhübsche jungen Frau herangewachsen ist. Marie steht vor dem Abschluss ihres Pharmaziestudiums und würde gerne das anschließende Praktikum in Onkel Alfredos Apotheke absolvieren. Sutterlüthy willigt schließlich ein, allerdings nicht ohne Hintergedanken, da er sich der Anziehungskraft der jungen Frau nicht entziehen kann. Marie erscheint dann zum Dienstbeginn nicht allein, sondern gemeinsam mit ihrem Freund Max – aber wo ein Wille ist, da gibt es immer auch einen Weg.

Am Cover des Buches steht das Wort Thriller, aber so richtig elektrisierende Spannung will bei der Lektüre des Romans nicht aufkommen. Zu einfach gestrickt, zu vorhersehbar läuft die Handlung ab, überraschende Wendungen, Aha-Erlebnisse, sprich echte Spannungsmomente fehlen zur Gänze.

Die Sprache von Heinrich Veith ist einfach, aber das ist nicht das Problem – nicht jeder kann oder muss ein literarisches Genie wie Fred Vargas sein. Mit Fortdauer der Handlung gleiten die sexuellen Obsessionen des Apotheker (halten sie mich bitte nicht für prüde) ins leicht Pornographische ab, aber auch dafür gibt es Liebhaber.

Was allerdings ein veritables Problem des vorliegenden Buches darstellt ist das Lektorat. Selten las ich einen derart schlampig redigierten Text, der vor Fehlern nur so strotzte und meinen Textmarker zum Dauereinsatz nötigte. „Mann (sic!) musste nicht studiert haben, um die Verbindung des Feriengastes und seinem Medikament herauszufinden.“ Man/frau muss auch nicht studiert haben, um ein Buch zu lektorieren, aber die Beherrschung der jeweiligen Sprache und eine gewisse Akribie sind schon unabdingbare Voraussetzungen.

Die Lektorin Frau Mag. Gertraud Mayr-Rosska dürfte ihrer Aufgabe, wenn überhaupt, so doch sehr mangelhaft nachgegangen sein. Dies deckt sich übrigens mit der Rezension meines geschätzten Kollegen Andreas über das „Iduna-Projekt“ und ich finde dies wirklich äußerst schade.

Weil die Intention des Verlags „federfrei“ ist es eine Plattform für junge SchrifstellerInnen zu bieten, wo sie regionale Kriminalromane publizieren können. Und dies ist eine absolut lobenswerte und begrüßenswerte Initiative. Aber mit dieser Performance wird das ein bisschen schwierig werden.

Leider möchte ich noch anfügen!



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