Drvenkar, Zoran: Sorry

verfasst am 31.03.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Drvenkar, Zoran, Thriller

Vier junge Menschen, Frauke, Tamara und die Brüder Wolf und Kris, seit Schulzeiten miteinander befreundet, haben eines Abends die Idee, eine Agentur zu gründen, die sich für andere Menschen entschuldigt. Erstaunlicher Weise wird dieses Konzept ein Riesenerfolg und die Agentur ist auf lange Zeit ausgebucht.

Die Handlung kippt, als sie einen dringenden Auftrag für einen Lars Meybach einschieben. Denn nun müssen sie sich bei einer an die Wand genagelten Toten entschuldigen und werden unter Druck gesetzt, die Leiche zu entsorgen. Eine weitere dramtische Wendung nimmt die Geschichte, als ein gealterter Päderast auf den Plan tritt und auf beiden Fronten aus dem Hintergrund mitmischt. Da sind dann aber auch schon einige Leute tot und irgendwie hat man das Gefühl, die Geschichte findet zu keinem guten Ende.

So kurz kann ein Plot sein, der dann auf beinahe 400 Seiten, eine immense Spannung erzeugt, Grauen hervorruft oder Abscheu. Das nämlich dann, wenn er gut erzählt wird. Und ja, Drvenkar ist so ein guter Erzähler, der einem die Handlung scheibchenweise serviert. Krimifilet vom Feinsten. Ganz abgesehen von der ungewöhnlichen Idee der Agentur, die dieses Buch auszeichnet und auch irgendwie einzigartig macht, ist es der gelungene Stil und die Sprache des Autors, die beim Lesen, auch bei manch wirklich schockierender Brutalität in der Beschreibung, unendlich viel Freude bereiten.

Wir haben regelmäßige zeitliche Überblendungen wie auch Perspektivenwechsel. Drvenkar erzählt die Geschichte aus der Warte der verschiedenen Protagonisten. Wir erfahren viel über Liebe, Schmerz und die Ausweglosigkeit des Schicksals (das in einer der griechischen Tragödie nicht unähnlichen Ausprägung). Der Autor vermittelt einen wirklich unter die Haut gehenden Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und beweist uns, dass jeder auch Böses in sich trägt. Ja, und auch von Schuld muss hier gesprochen werden, und zwar von einer Schuldigkeit, die von vom Schicksal eingeflochtenen Wendungen herrührt und jeden dann zum potenziellen Mörder macht, wenn die Fügung es verlangt. Denn viel hängt vom Zufall ab oder passiert dadurch.

Und das ist wieder das perfekte Konzept des Autors. Kein Wunder dass er selbst beim Schreiben Angst vor dem Buch bekam.

Und auch kein Wunder, dass er für die Überwindung dieser Angst (er hat es ja dann doch fertig geschrieben) den Glauser-Preis erhalten hat. Dies obwohl meines Dafürhaltens ein inhaltlicher (schwerer) Widerspruch im Buch enthalten ist. Aber das stört dann doch nicht. Und lässt sich angeblich auch (so ein Mitglied der Glauser-Jury) erklären.

Kurzum, wären alles Krimis in dieser Intensität geschrieben, würde kein Kritiker einen Limes zwischen Kriminal- und sonstiger Literatur ziehen.


Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top