Jane Draycott: Fulvia
Die Frau, die im alten Rom alle Regeln brach
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Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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Nachdem ich in den letzten Wochen lesetechnisch mehrmals im Imperium Romanum unterwegs war sowohl „Dirty Rome“ als auch „Die Kaiser Roms“ gelesen habe, darf dieses Buch über eine Frau, die so gut wie jede Regel im antiken Rom gebrochen hat, nicht fehlen: Fulvia.
Jane Draycott, die britische Historikerin und Archäologin, nimmt sich in dieser Biografie einer Frau an, die zu Lebzeiten gehasst und verunglimpft worden ist, weil sie so gar nicht dem Abbild der Frau in der römischen Antike entsprochen hat: Fulvia, Tochter des Marcus Fulvius Bambalio und seiner Frau Sempronia, Tochter des Sempronius Tuditanus. Ihre exakten Lebensdaten sind nicht gesichert. Geboren um 84–73 v. Chr. und gestorben Mitte 40 v. Chr. ist sie unter anderem eine Zeitgenossin von Gaius Iulius Caesar, verheiratet mit Publius Clodius Pulcher, danach mit Gaius Scribonius Curio und in dritter Ehe mit Marcus Antonius.
Fulvia ist eine der wenigen Frauen, die politischen Einfluss offen geltend gemacht hat. Sie ist schon in der Antike bekannt, wird in Briefen und Schriften genannt. Allerdings als abschreckendes Beispiel, wie eine tugendhafte römische Ehefrau NICHT zu sein hatte. Vor allem Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. – 43 v. Chr.) sticht mit seinen wüsten Schmähschriften gegen Fulvia und ihre drei Ehemänner besonders heraus. Dass Cicero nach dem Mord an Gaius Iulius Caesar den Proskriptionen zum Opfer gefallen ist, kommt nicht von ungefähr. Fulvias Mitwirkung bei der Erstellung der Proskriptionslisten ist durchaus möglich, hat sie doch erheblichen Einfluss auf ihren dritten Mann Marcus Antonius. Dass sie allerdings. wie auf dem Bild dargestellt, das das Cover ziert, Ciceros Zunge mit Haarnadeln durchbohrt hat, gehört zur Legende wie vieles andere auch. Das Bild stammt von Pawel Svedomwsky (1849-1904), der es 1898 gemalt hat.
Meine Meinung:
Fulvia ist mir unlängst bei einer Dokumentation über Octavian, also Kaiser Augustus, der als „Friedenskaiser“ gilt, obwohl sein Weg dorthin mit zahlreichen Kriegen innerhalb und außerhalb Roms gepflastert ist, untergekommen. Fulvias Name fällt in historischen Roman häufig, sobald man eine Hassfigur braucht.
Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelungen ist, aus den sehr einseitigen antiken Quellen dieses fesselnde Porträt von Fulvia zu gestalten. Jane Draycott spürt ihr nach, liest akribisch historische Texte über Fulvia, die vorrangig von ihren Gegnern stammen und füllt die Leerstellen ihrer Biografie mit überlieferten Analogien von antiken Frauenleben.
Das Buch ist sehr strukturiert. Wir erhalten einen Einblick in das römische Leben sowie Kenntnis über über die komplexe Nomenklatur der römischen (Herkunfts)Namen. Wie es sich für eine Wissenschaftlerin gehört, hat Jane Draycott ein ausführliches Quellenverzeichnis und eine Zeittafel sowie den Stammbaum der Fulvia und einige Abbildungen und Karten im Anhang angeschlossen- Zudem gibt es eine Bewertung der antiken Quellen, die ja – wie bekannt – durchaus ambivalent zu betrachten sind.
Bleibt für mich nur die Frage offen, ob der Lancia Fulvia nach der starken Frau benannt worden ist (wahrscheinlich nicht) oder doch eher nach der Via Fulvia, die ihre Bezeichnung zu Ehren des Konsuls Marcus Fulvius Flaccus, einem Weggefährten und Verbündeter der beiden Gracchen, erhalten hat?
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Porträt einer Frau mit ungewöhnlichem Charisma, deren Geschick für strategische Bündnisse nicht immer von Erfolg gekrönt war und ihr letztlich den Tod ihrer drei Ehemännern sowie ihrer Kinder und ihr selbst die Verbannung eingetragen hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.