Ingeborg Arvola: Zeit der Wale
Die Eismeertrilogie Band 2
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Buchbesprechung verfasst von: Gertie
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Dieser Roman ist der zweite Band von Ingeborg Arvolas Eismeertrilogie und setzt unmittelbar dort fort, wo „Der Aufbruch“ geendet hat: Mit der Verurteilung von Mikko und Brita Caisa wegen Ehebruchs. Man schreibt das Jahr 1863. Weil Brita Caisa die Geldbuße nicht bezahlen kann, muss sie ebenso wie Mikko ins Gefängnis. Er muss seinen Hof verkaufen, um die Geldstrafe zu leisten und bekommt zusätzlich noch einige Monate Haft aufgebrummt.
Während die schwangere Brita nach Verbüßen der Haft bei Bekannten unterkommt, hätte Mikko die Möglichkeit zu seiner Frau Gretha zurückzukehren, die ihn scheinbar mit offenen Armen empfangen würde. Doch er weigert sich und versucht, mit Brita und der neugeborenen Tochter ein neues Leben zu beginnen. Doch das ist an der norwegischen Eismeerküste nicht so einfach. Es gibt kaum Arbeit, außer jener als Fischer. Deshalb beschließen mehrere Familien nach Amerika auszuwandern, um in den Kupferminen von Copper Country in Michigan zu arbeiten. Lange Zeit ist nicht klar, ob sich deren Erwartungen auch wirklich erfüllen.
Gleichzeitig setzt Brita ihre Kenntnisse in der Heilkunde ein, um Menschen und Tiere zu kurieren. Kaum ist das neue, unter unsäglich schwierigen Bedingungen errichtete Holzhaus fertig, droht abermals Ungemach, denn Gretha will sich scheiden lassen und fordert eine großzügige Unterstützung. Als Mikko zwar einer Scheidung zustimmt, aber die geforderte Summe nicht zahlen kann, beginnt ein Rufmord an Brita, der kaum unter Kontrolle zu halten ist. Sie wird der Hexerei bezichtigt und es gibt einige, die sie gerne auf dem Scheiterhaufen brennen sehen wollen. Grethas Hass, der Brita entgegenschlägt macht auch vor der kleinen Tochter nicht Halt, die nur knapp einem Versuch von Gretha das Baby zu töten, gerettet werden kann. Selbst jene, denen Brita zuvor geholfen hat, wenden sich nun von ihr ab, steht doch der Pfarrer auf Grethas Seite.
Wieder bleibt nichts anderes übrig, als die Gemeinschaft wieder zu verlassen und zunächst einmal in die Wälder zu fliehen …
Meine Meinung:
Auch dieser zweite Teil der Trilogie wird von Brita Caisa als Ich-Erzählerin erzählt. Daher wirken die Ereignisse noch viel stärker.
Es ist echt ein Drama! Mikko und Brita Caisa können nicht ihr Leben miteinander führen. Die beiden sind durch ein archaische Band von Liebe, sexueller Anziehung und einem übergroßen Anteil an Sturheit miteinander verbunden. Zudem sind sie den gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Frauen sind ohne Ehemann nichts wert. Unverheiratete Mütter werden als Prostituierte angesehen, die man zur Läuterung ins Gefängnis steckt, Ehebrecher noch vor kurzem gesteinigt (vor allem die immer als Verführerin geltende Frau). Doch auch ein Ehefrau wie Gretha, die kein Kind zur Welt bringen kann, gilt als minderwertig. Es scheint klar, dass die Kinderlosigkeit an Gretha liegen muss, hat ja Mikko seine Zeugungsfähigkeit durch die Tochter, die er mit Brita hat, hinreichend bewiesen. Mit diesem Gefühl der Unzulänglichkeit lässt Gretha ihre ganze Verzweiflung und Hass an Brita aus. Ob Grethas Wiederverheiratung da helfen wird?
Wieder ist es die Kirche, die sich anmaßt, sich zum Richter aufzuspielen. Gleichzeitig huldigen die meisten Bewohner noch dem alten Glauben, in dem sie dem „Alten Volk“ Opfergaben bringen, obwohl für sie selbst oft nur wenig Nahrung bleibt. Man glaubt auch, dass ausgesprochene Gedanken Wirklichkeit werden können.
„Eure Worte können Schaden anrichten.“
Diese Mechanismen lassen auch für den dritten Teil wenig Hoffnung auf ein gutes Ende aufkommen. Es sei denn, Mikko und Brita packen ihre wenigen Habseligkeiten und wandern mit den Kindern ebenfalls nach Amerika aus.
Wie schon im ersten Band der Trilogie ist das Leben an der Eismeerküste von harter Arbeit und strengen Regeln bestimmt. Neben dem üblichen Fischfang versucht man nun mittels Granaten und Kanonen auf Walfang zu gehen, der nicht immer von Erfolg gekrönt ist und zahlreichen Beteiligten das Leben kostet. Zum Ausgleich schildert Ingeborg Arvola die wohltuende Hitze der Sauna sowie die tiefe Verbundenheit der Menschen mit der Natur, auch wenn sie zahlreiche Opfer fordert.
Um sich von der norwegischen Eismeerküste ein Bild machen zu können, gibt es gleich zu Beginn Abbildungen der Landkarte von 1824. Zusätzlich gibt es ein Personenverzeichnis, das die Namen zweisprachig angibt. Ohne dieses ist es vielleicht schwierig, den vielen Personen zu folgen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem eindringlichen Roman, der mit historischen Einblicken in die Welt an der norwegischen Eismeerküste im 19. Jahrhundert, aufwartet, 5 Sterne und warte geduldig auf den Abschluss der Trilogie.