Sandra Altmann: Talsommer
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Buchbesprechung verfasst von: Britta
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Sandra Altmanns „Talsommer“ erzählt die Lebensgeschichte von Mizzi, einem zehnjährigen Mädchen, das im Sommer 1899 bei ihrem Onkel im Gasthaus in Achental lebt und arbeitet. Das Leben in dieser Zeit ist geprägt von strengem Glauben, Patriarchat, Züchtigungen, Aberglauben und dörflichen Gesetzen, die den Alltag ebenso bestimmen wie die harte körperliche Arbeit, die Mizzi schon als Kind zu verrichten hat.
Was wie ein idyllischer Bergbauernroman beginnt, wandelt sich im weiteren Verlauf zu einer bedrückenden Geschichte. Als etwa ihre Freundin Lisei tot im Fluss gefunden wird, glaubt Mizzi niemand, obwohl sie gesehen hat, was wirklich geschah.
Hin und wieder bieten sich dem Mädchen Gelegenheiten, aus dieser engen Welt auszubrechen. So kann sie bei gelegentlichen Besuchen von Berggästen, die Mizzi auf Wandertouren als Führerin begleitet, ihren Horizont erweitern.
„Heute holt Mizzi die Familie Schlickenschild im Gasthaus zur Post ab: Das Ehepaar und ihr Sohn Emil, der vielleicht ein oder zwei Jahre jünger sein dürfte als Mizzi, sind schon fertig und warten voller Ungeduld auf ihren ersten Bergausflug. Mizzi knickst höflich, wie sie es gelernt hat, stellt sich vor und schon geht sie voran, den Prügelweg hinauf, vorbei am Forsthaus, wo sie die Ortschaft verlassen.“
Auch ein Maler, bei dem sie mit Hilfsdiensten etwas Geld verdienen kann, zeigt ihr eine andere, modernere Sicht auf das Leben.
Mein Fazit:
Der Roman beginnt damit, dass sich Mizzi im fortgeschrittenen Alter Fotos aus ihrer Vergangenheit anschaut. Bei dieser Szene hatte ich sofort Bilder von meiner Oma vor Augen und obwohl die Geschichte nicht ganz in ihre Zeit passt, hatte ich beim Lesen trotzdem das Gefühl, als säße sie gerade neben mir und erzähle mir aus ihrem Leben.
Der Roman verwebt Historisches mit sozialer Kritik. Die Geschichte zeigt, wie wichtig damals für die Menschen ihr guter Ruf und der soziale Status waren. Das Zusammenleben war geprägt von patriarchalen Machtstrukturen, gesellschaftlichen Erwartungen und Ungerechtigkeiten, die vor allem die Schwachen erfahren. Dabei spielen Aberglaube und Vorurteile eine große Rolle.
Der Roman ist nichts für schwache Nerven. Hier wird auch schwieriger Stoff sehr direkt und ungeschönt erzählt. So musste ich doch einige Male tief durchatmen, weil mir der Text sehr nahe ging, wenn es etwa um körperliche Züchtigung oder den Umgang mit Behinderungen ging.
Sandra Altmann schreibt klar, ruhig und bildhaft, mit einem feinen Gespür für Stimmungen. Die Sprache ist nie überladen, aber sehr präzise.
Im Nachwort erklärt die Autorin, welche Teile der Geschichte Fiktion sind und welche sich auf wahre Begebenheiten stützen.
Zusammengefasst ein Buch, das nahegeht und nach dem Lesen noch länger nachhallt. Es lässt die Vergangenheit wieder lebendig werden.