Gudrún Eva Mínervudóttir: Überlebensstrategien
Autorin/Autor:
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Buchbesprechung verfasst von: Britta
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„Überlebensstrategien“ handelt von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die alle in einem kleinen Ort in Island leben. Durch Zufall treffen diese vier Figuren aufeinander und entdecken, dass sie trotz ihrer Unterschiede ähnliche Gefühle von Einsamkeit, Verlust und Unsicherheit teilen. Jeder von ihnen beginnt auf seine ganz eigene Weise dem Leben wieder mehr zu vertrauen und neue Perspektiven für sein Glück zu finden.
Hier eine kurze Übersicht über die vier Figuren:
Borghildi, eine frisch verwitwete Frau, die mit ihrer Einsamkeit und dem Älterwerden kämpft.
Árna, ein Computernerd, der seinem Job aus gesundheitlichen Gründen entflohen ist. Er hat sich von der Stadt aufs Land zurückgezogen und hofft nun, mit Hilfe seine Hundes Alfons sein Übergewicht und seine Antriebslosigkeit bekämpfen zu können.
„Meine Hüfte war steif, mein Bauch zu fett und die Adern eines Beins kaum noch funktionsfähig. Alfons ahnte nicht, dass es seine Aufgabe war, mich in Bewegung zu bringen, damit ich die Chance bekam, ein staatlich anerkannter Greis zu werden, ehe ich starb. Trotzdem machte er seinen Job gut – zu gut, für meinen Geschmack. Ich hatte die Empfehlung mir einen großen Hund anzuschaffen, wohl ein wenig zu ernst genommen.“
Hanna, ein sechzehnjähriges Mädchen, das gerade mit ihrer Mutter aufs Land gezogen ist und versucht, mit der Trennung ihrer Eltern klar zu kommen.
Aron Snæ, der elfjährige Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die unter schweren Depressionen leidet und nicht in der Lage ist, sich um ihr Kind zu kümmern.
„Aron antwortete nicht. Das musste er nicht. Er musste nicht freundlich sein. Für ihn galten Sonderkonditionen. Alle hatten Mitleid mit ihm. Seine Mama war in der Klinik und sein Papa konnte ihn nicht aufnehmen.“
Mein Fazit:
Mich hat das Buch von Anfang an sehr berührt. In ruhigem, liebevollem Ton erzählt die Autorin in einzelnen Kapiteln die Geschichten der Figuren aus deren Sicht. Dabei hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht, und dass ihre Ausbildung und berufliche Erfahrung dieses Buch definitiv beeinflusst haben. Ihr sprachlicher Ausdruck hat mich sehr gut durch die Geschichte getragen und auch das ein oder andere Mal zum Schmunzeln gebracht. Die komplizierten isländischen Namen waren dabei für mich eine Herausforderung.
Das Ende des Buches kam für mich zu abrupt. Vielleicht plant die Autorin aber auch eine Fortsetzung. Darauf konnte ich bei meiner Recherche aber keinen Hinweis finden.
Zusammengefasst ist „Überlebensstrategien“ ein einfühlsamer, poetischer und philosophisch anmutender Roman über menschliche Verbindungen, Selbstfindung und den Versuch, das Vertrauen ins Leben zurückzugewinnen.