Zsuzsa Selyem: Regen in Moskau
Die Geschichte einer Aussiedlung

verfasst am 23.09.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Erzählung, Selyem, Zsuzsa

Ein literarisches Puzzle, das sich aus vielen kleinen Geschichten zusammensetzt. Manche berührend, manche beklemmend, manche erheiternd, manche traurig, manche alles zugleich – aber alle großartig, wie sie Stimmungen erzeugen, wie sie, jede für sich, einen Puzzlestein erzählen.

Und wie in einem richtigen Puzzle enthüllt sich das Gesamte erst langsam, Schritt für Schritt, Geschichte für Geschichte. Doch bis zu einem umfassenden Gesamtbild komme ich – und ich meine damit: ich persönlich – nicht. Denn es fehlt mir an Wissen über die Hintergründe, über die Namen, die Orte, die Zusammenhänge.

So kann ich dieses kleine Buch nur soweit beschreiben, wie ich es historisch einordnen kann und verstanden habe. Es wird sich für andere vielleicht ein sehr abweichendes Bild ergeben.

Und so kann ich meine Eindrücke zusammen fassen:

Siebenbürgen ist eine Region Europas, die schon lange im Brennpunkt des Einflussen verschiedener Mächte stand. Die Osmanen, die Ungarn, die Rumänen. Die Faschisten zwischen den Weltkriegen und dann die Kommunisten mit Ceaușescu, dem Irren, dem Mörder, an der Spitze.

Lange Zeit unberührt davon konnten die Familien in Siebenbürgen ihr Leben leben, ihre Äcker bestellen, Teil des Ganzen dieses Landstriches sein. Immer wieder bedrängt von Kräften, die sich Macht, Einfluss sichern wollten, wurden erst die Jahre nach dem 2. Weltkrieg zur wirklichen Zerreissprobe. Unter dem Deckmantel der Macht, die nun von Volk ausginge, wüteteten die Kommunisten, ganz genauso wie überall anders auf der Erde. Nicht um Gleichheit und Mitgefühl zu schaffen, sondern um den Reichtum der vormals Reichen für sich selbst zu sichern; so wurden die Kommunisten, in widerlicher Verzerrung, zur den willkürlichsten und abstoßendsten und brutalsten Machthabern, die man hier je sah. Die Menschen wurden geschlagen, getötet, verschleppt, ihre Werte wurden zerstört, ihre Habe gestohlen.

Doch die Menschen des Landes überwanden, verwundet, diese Zeit und die Natur, die Tiere und die Pflanzen, blieben immer hier und beobachteten das Treiben der Menschen. Und sie alle, die Menschen, die Vögel, die Insekten, die Bäume, die Hunde, erzählen in diesem Buch darüber, was geschah.

Resumee: ich kann nur allen ans Herz legen, “Regen in Moskau” selbst zu lesen und selbst zu erleben. Denn die Eindrücke, die ich beim Lesen gewann, lassen sich nicht niederschreiben; die sollte man schon selbst gewinnen.


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