Wippersberg, Walter: Ein nützlicher Idiot

verfasst am 28.06.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Wippersberg, Walter

Axel, ein 25jähriger Studienabbrecher und erfolgloser Saxophonist, träumt von einer großen Musikerkarriere. Ein großer Gig ist geplant und quasi schon vertragsreif. Ein Auftritt mit seiner Band im Vorprogramm der Simple Minds steht an. Doch bevor es auf Tournee geht, muss sich Axel mit einem Job als Chauffeur noch finanziell über Wasser halten.

Seine Aufgabe ist es, Frau Dr. Beranek-Schnötzinger, Quereinsteigerin bei der Partei „Die Demokraten“ im Wahlkampf von Veranstaltung zu Veranstaltung zu kutschieren. Er fährt sie anfangs zu sämtliche Polizeiinspektionen. Dort heizt sie die Stimmung gewaltig auf, indem sie der Gesellschaft unterstellt, die Arbeit des gesamten Polizeiapparates zu untergraben und die Polizisten und Polizistinnen nur als Vollidioten anzuerkennen. Dafür erntet sie großes Lob und Anerkennung der Polizei. Die Wahl ihrer Person scheint gesichert.

Die Demokraten „kümmern“ sich mit perfekter Medieninszenierung um Sozialschmarotzer, MigrantInnen, politischen Gegnern, loben im Gegenzug die Anständigen, Ehrlichen und Fleißigen, und der Erfolg der Partei ist überwältigend.

Die ehemalige Gymnasialdirektorin Beranek lehnt Axel, den langhaarigen Affen, anfangs ab. Doch bald beginnt sie ihn geschickt zu manipulieren. Schnell erkennt sie, dass sie aus dem planlosen Axel, dem Systemskeptiker und menschenfreundlichen Tagträumer zu einem untergebenen Mitarbeiter machen kann. Dazu muss sie ihm nur eine wichtige Aufgabe zukommen lassen und ihm die Wichtigkeit seiner Person und Arbeit einimpfen. So gibt sie ihrem Fahrer eine Aufgabe und erstmals in seinem Leben das Gefühl, jemand zu sein. Weil er den Job sehr gut macht verschafft sie ihm sogar eine Wohnung und bietet ihm außerdem an, nach gewonnener Wahl den Posten des Parteisekreätrs mit ihm zu besetzen. Ohne zu durchschauen, wie und was ihm wirklich geschieht, wird Axel zum Mitläufer einer autoritären politischen Bewegung, die ihm schlussendlich das Leben kostet.

Der Autor schreibt über die Machtergreifung einer rechtspopulistischen Partei nach der Ära Jörg Haiders. Die Manipulation einer rechtsextremen Partei, und der Rekrutierung seiner Mitglieder ist keine Fiktion, sondern furchterregende Realität. Wippersberg beschreibt, wie diese Partei so viele Menschen für sich gewinnen kann. Keines der derzeitigen politischen Lager – weder die Sozialdemokraten, noch die Volkspartei, die Grünen sind sowieso vernachlässigbar (weil wo sind die?) – steht derzeit für eine Haltung, die über die egoistische Verteidigung von Eigeninteressen hinausgeht. Die Selbstsucht steht im Vordergrund und ist Programm, das der Partei großen Zulauf beschert. Als bekanntes Mittel für Manipulation steht die Medieninszenierung im Fokus.

Dieses Buch kann ich sehr empfehlen!


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