Frisch, Max: Homo Faber

verfasst am 14.04.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Frisch, Max, Romane

Anlässlich der 100. Geburtstagswiederkehr (um nicht den 20. Todestag als Vorwand nehmen zu müssen) von Max Frisch schien es mir angeraten, ein Werk des eidgenössischen Schriftstellers aus der Schublade „Standardwerke zur Matura“ zu holen und aufmerksam zu studieren. Meine Wahl fiel auf „Homo Faber – Ein Bericht“ aus dem Jahr 1957, da dieser Roman nach der Atomkatastrophe von Fukushima vor allem im Themenbereich „Technik versus Natur“ aktueller denn je erscheint.

Aber vorerst zur Handlung: Der Ich-Erzähler Walter Faber ist von Beruf Ingenieur, arbeitet für die UNESCO und lebt in Manhattan. Faber ist ein Rationalist reinsten Wassers, die vollkommene Verkörperung der technischen Existenz. „Jeder Apparat kann einmal versagen; es macht mich nur nervös, solange ich nicht weiß, warum.“ Begriffe wie Vorsehung oder Schicksal sind im völlig fremd. „Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen.“

Auf einem Flug von New York nach Mexico City fallen, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, die Triebwerke des Flugzeuges aus. Der Pilot schafft jedoch eine saubere Notlandung in der Wüste. Während der Wartezeit auf Hilfe entpuppt sich einer der Mitreisenden als Bruder von Fabers Jugendfreund Joachim Hencke, der in Guatemala eine Tabakplantage betreibt und den dieser zu besuchen beabsichtigt.

Weiters erfährt er, dass sein Freund Joachim Fabers Jugendliebe Hanna geheiratet hat. Faber begleitet ihn daraufhin kurzentschlossen in den guatemaltekischen Dschungel und findet Joachim in seiner Hütte vor. Er hatte sich kurz vor ihrem Eintreffen erhängt.

Zurück in New York wird Faber von seiner Geliebten Ivy (einem Mannequin) gedrängt, sie zu ehelichen. Um aus ihren Fängen zu fliehen, täuscht er Flugangst vor und geht an Bord eines Schiffes, das ihn nach Frankreich, wo sein nächster beruflicher Termin in Paris ansteht, bringt. Während der Überfahrt lernt er die 20-jährige Elisabeth „Sabeth“ Piper kennen, die per Autostopp durch Europa zu ihrer Mutter nach Athen reisen möchte und verliebt sich in sie, da sie ihn an Hanna erinnert. Faber nimmt Urlaub und begleitet das Mädchen durch Südfrankreich, Italien und schließlich landen die beiden in Griechenland.

Während der gemeinsamen Reise, wo es in einer Vollmondnacht in Avignon auch zu größtmöglicher körperlicher Nähe kommt, erfährt Faber, dass Sabeth die Tochter von Hanna ist. Zur jener Zeit, als Faber sich von ihrer Mutter trennte, war Hanna schwanger.

Doch Faber will nicht wahrhaben, dass Sabeth möglicherweise seine Tochter ist.

Am Strand von Korinth wird Sabeth von einer Giftschlange gebissen. „Sabeth oben auf der Böschung: Sie hält ihre rechte Hand auf die linke Brust, wartet und gibt keinerlei Antwort, bis ich die Böschung ersteige (es ist mir nicht bewusst gewesen, dass ich nackt bin) und mich nähere – dann der Unsinn, dass sie vor mir, wo ich ihr nur helfen will, langsam zurückweicht, bis sie rücklings (dabei bin ich sofort stehen geblieben!) rücklings über die Böschung fällt.“

Nachdem er Sabeth in ein Krankenhaus in Athen gebracht hat, trifft Faber nach 20 Jahren wieder auf seine Jugendliebe Hanna.

Mit „Homo Faber“ gelang Max Frisch ein Welterfolg. Übersetzt in 25 Sprachen und wahrscheinlich mindestens so viele Auflagen, jedenfalls mit einer Gesamtauflage von über 4 Millionen, dient der Roman noch heute Pädagogen als Einführung in die Welt der Literatur bzw. Weltliteratur.

Die Sprache ist virtuos knapp, sehr präzise und scheinbar emotionslos. Die Handlung meisterhaft um die Gegensatzpaare Technik – Natur, Rationalität – Mystik, sowie natürlich Mann – Frau geschlungen, teilweise autobiographisch.

Fazit: Muss man/frau auch irgendwann mal im Leben gelesen haben. Oder wie mein geschätzter Kollege Andreas kürzlich so treffend bemerkte:“ Wenn es keine gescheiten neuen Bücher gibt, lesen wir halt die alten.“



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top