Münk, Katharina: Die Insassen

verfasst am 20.04.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Münk, Katharina, Romane

In Zeiten der weltweit grassierenden Finanz- und Wirtschaftskrise haben viele viel Geld, so mancher die Nerven, aber einige noch viel mehr, nämlich zusätzlich auch noch ihren Verstand verloren. Den drei Protagonisten im Roman „ Die Insassen“, Dr. Wilhelm Löhring, Keith Winter und einem Mann namens Wienkamp passierte leider Letzteres. Und da hilft nur mehr eine Behandlung in der Nobelnervenklinik St. Ägidius bei Frankfurt.

Dr. Löhring, ehemaliger Finanzvorstand eines großen Versicherungskonzerns, konnte nur durch einen Trick in die psychiatrische Anstalt eingewiesen werden. Seine Frau vermittelte ihm den Glauben, dass er den Klinikkomplex gekauft hat und nicht Patient in St. Ägidius ist.

Demgegenüber hat sich Keith Winter, der Star unter den Private Equity Managern bei Benderman-Ley (ein Mann, der in einem Jahr mehr Geld verdient, als die meisten von uns in ihrem ganzen Leben) gleich selbst eingewiesen.

Der ehemalige Topmanager Wienkamp ist in regelmäßigen Abständen immer wieder mal in St. Ägidius, weil er hier seinen Leidenschaften, der ehrenamtlichen Seelsorgetätigkeit und dem Tragen von roten Nylonstrümpfen am besten nachkommen kann.

Aber echte Spitzenkräfte können nicht still sitzen, sind mit dem pflanzen von Erdbeeren und Bohnen oder dem flechten von Weidekörben einfach nicht ausgelastet. So überredet Löhring die beiden anderen, die Nervenklinik ohne Wissen der wahren Eigentümer an die Börse zu bringen und trifft mit einem befreundeten Bankier bereits alle Vorbereitungen.

Kann diese wahnsinnige Aktion überhaupt gelingen oder anders ausgedrückt, ist das Finanz- und Börsensystem bereits auch so krank, dass der Coup gelingen kann? Ich glaube, diese Frage brauche ich ihnen nach Bawag-, Hypo- und sämtlichen anderen Finanzdebakeln nicht mehr wirklich beantworten.

Die Autorin hat einen netten, vergnüglichen Roman vorgelegt, der phasenweise echt ziemlich komisch ist. Katharina Münk ist ein Pseudonym, da sie angeblich immer noch Chefsekretärin in einem großen deutschen Unternehmen ist – dies könnte aber auch eine Legende sein. Jedenfalls kennt sie die Mechanismen des Kapitalmarktes und die aktuellen Sprachmoden, also den alltäglichen Wahnsinn.

Im Lichte der Entwicklungen der letzten Jahre, wage ich aber nicht zu behaupten, dass „die Insassen“ eine völlig überzogene Satire ist. Eigentlich die ideale Lektüre, wenn sie schon immer mal was an die Börse bringen wollten und nicht dauernd nur aus ihrer Börse nehmen wollen!

PS: Ich soll euch ganz herzlich von Zacharias grüssen! Es geht ihm echt prima! Er trinkt keinen Alkohol, nimmt keine Drogen und geht immer zeitig mit seiner Mama schlafen, damit er am nächsten Morgen ganz früh über die Weide der Sonne entgegenzakeln kann. Und wenn sie mal nicht scheint, hüpft er halt in den Pfützen rum.

Zacharias liebt sein Leben!



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