Schalko, David: Weisse Nacht

verfasst am 09.03.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Satire, Schalko, David

Wie entsteht eigentlich ein Bestseller? Nun, da hat man/frau die Möglichkeit so genial zu schreiben, dass die Welt an diesem Text einfach nicht vorbei kann. Oder es wird ein „Skandal“ inszeniert – denken sie beispielsweise an die „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. So auch geschehen beim vorliegenden Buch von David Schalko. Aber nicht der Autor persönlich oder das Werk an sich sorgte für Aufsehen, sondern eigentlich ein „Unbeteiligter“, nämlich der von seinem Lebensmenschen und anscheinend allen guten Geistern verlassene Stefan Petzner.

Der bekennende Solariumfanatiker klagte, nicht so sehr weil er sich in seinem höchstpersönlichen Lebensbereich angegriffen fühlte, nein, er forderte Tantiemen (sic!) und scheiterte kläglich. Übrigens erst vier Monate nach Erscheinen des 134-seitigen(!) Buches – und ich dachte immer der niederösterreichische Landeshauptmann sei ein Langsamleser.

Schalko erzählt in „Weisse Nacht“ die Geschichte von Thomas, einem naiven, intellektuell eher unterdurchschnittlichen jungen Mann der auf seinen Lebensmenschen trifft und diesem bedingungslos verfällt. „Als er mir die Hand reichte, hielt ich sie fest. Er zog sie nicht zurück. Er spürte sofort, dass ich ab jetzt einer der Seinen war. Er sagte nur: ‚Komm!’ Und ich kam. Er sagte: ‚Bleib in meiner Nähe.’ Und ich wich nicht mehr von seiner Seite.“

Satirisch überhöht zeichnet der Autor die Ästhetik der sogenannten „Buberlpartie“ rund um die erloschene Sonne des südlichsten Bundeslandes nach. Schalko liefert eine Mischung aus Heimat-, Groschen-, Schund- und Fantasyroman bis hin zum esoterischen Ratgeber ab – Trash ist wohl der richtige Ausdruck dafür.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die homoerotische Beziehung zwischen Thomas und dem Kärntner Landesheiligen, der allerdings niemals beim Namen genannt wird und nur als „Er“ oder „Messias“ auftritt. „Wir lachten wie kleine Kinder, die der Welt einen gemeinsamen Streich gespielt hatten. Plötzlich hielt er inne, schüttelte den Kopf und kam langsam näher. Wie ein Fuchs, der hinter seinem Bau hervorlugte. Er näherte sich meinem Ohr, hielt die Nase nur einen Hauch entfernt. Ich konnte seinen warmen Atem spüren. Wie ein sanfter Wellengang am See. Lebkuchen. Und er flüsterte: ‚Eternity, Thomas.’“

Der Autor entwirft Kärnten als Mischung aus Spaßgesellschaft, Deutschtümelei, Katholizismus und Esoterik, wo das Projekt „Endless Summer“ ausgerufen wurde und er, wie es sich für einen Messias geziemt, alles Negative (das „Anti“) auf seine Schultern lädt. Blaue Bergseen, grüne Wiesen, fröhlich zwitschernde Vögel, eine „Landesmutter“, die sich ständig im „Tal der Wölfe“ auf der Jagd befindet, alles vor dem Hintergrund der Bedrohung durch die „amerikanische Ostküste“.

Wirklich witzig ist das Buch nur, wenn Schalko das Kulturverständnis der rechten Recken seinen persiflierenden Betrachtungen unterzieht. „Das Schöne an Empty Art war, dass es nichts zu interpretieren gab. Derjenige, der am wenigsten darüber zu sagen hatte, war auch meistens im Recht.“

Alles in allem ist „Weisse Nacht“ ein ziemlich chaotisches Büchlein oder vielleicht sollte ich es eher als Experiment bezeichnen – bitte fragen sich mich nicht nach der Handlung. Aber etwas anderes sollte man/frau sich von David Schalko auch nicht erwarten. Schließlich ist er der Erfinder des legendären TV-Formats „Sendung ohne Namen“.

Trotzdem wird es sich ganz gut verkaufen. Dafür hat schon Sunnyboy Petzner gesorgt.



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