Kuttner, Sarah: Mängelexemplar

verfasst am 05.08.2009 von | 2 Kommentare
Rubriken: Kuttner, Sarah, Romane

kuttner-maengelexemplarKaro, eine junge Frau, verliert ihren Job und beendet die Beziehung zu ihrem Freund. Sie schlittert unerwartet in eine Depression. Es schleicht sich eine eigenartige Angst an, innerhalb von Sekunden wird sie von einer Panikattacke lahmgelegt. Da bleibt nur mehr der Weg zur Psychotherapie um wieder voll funktions- und leistungsfähig zu werden.

Karo Herrmann ist 27 Jahre alt, als sie ihren Job verliert. Sie trennt sich auch von ihrem Freund, denn sie ist der Ansicht, diese Beziehung sei mit ein Grund für ihre Depression. So brechen zwei wichtigen Säulen ihres Alltagslebens plötzlich weg. Karo beginnt mit einer Psychotherapie, um ihr Leben wieder zu ordnen. Immerhin ist eine 28jährige junge Frau dazu bestimmt, erfolgreich und leistungsstark zu sein. Das wird sie doch wieder hinbekommen. So versucht sie mithilfe der Therapie mit der Angst und mit der Angst vor der Angst umzugehen.

Die bisher, ach so erfolgreiche und charmante Karo möchte wieder an ihr „altes“ Leben anknüpfen. Wieder mit beiden Beinen im Leben stehen. Dazu holt sie sich Unterstützung durch die Psychotherapeutin Anette und der Psychiaterin Dr. Kleve. Sie stößt auf alte Verletzungen und tiefe Wunden ihrer Seele. Karo erkennt, dass sie sich im Laufe der Zeit einen dicken Schutzpanzer zugelegt hat. Durch diesen kann sie sich selbst und ihre Traurigkeit kaum mehr wahrnehmen. Gefestigt hat sie diesen Panzer nicht zuletzt mittels ihren sarkastischen Verbalattacken gegen jedwede Mitmenschen. Dass ihr da noch David, ihr Übergangsmann nach dem Beziehungsabbruch zu ihrem Freund, abhaut, ist kein Wunder. Selbst zu Max, ihrem Lieblingskollegen kann sie keine tiefere Beziehung aufbauen.

Sie scheint beziehungsunfähig zu sein. Sie kann sich sozusagen auf keinen „Exklusivvertrag“, so wie es Karo nennt, mit einem Mann einlassen. Von Beginn an ist klar, dass Karo ihre psychischen Erkrankungen heilen will. Was letztendlich gelingt ist die Integration der Ängste in den Alltag und das Eingeständnis, dass man/frau nicht immer nur nach Diktionen, die eine Leistungs- und Konsumgesellschaft festlegt, „funktionieren“ kann und auch nicht muss.

Sarah Kuttners Buch befindet sich gerade auf unterschiedlichen Bestseller-Listen. Sie verwendet einen flotten Schreibstil, in ihren Ausführungen finden sich witzige und auch provozierende Wortkreationen („Der nächste Morgen ist ein Arschloch“, Psychocasting (Erstgespräch beim Psychiater), Liebesflatrate …). Die Autorin scheint betreffend psychiatrischer Krankheitsbilder doch gut recherchiert zu haben. Manchmal waren mir die Beschreibungen der Gefühle wie Angst, Ohnmacht oder Panikattacken zu sehr pointiert und aus eigener beruflicher Erfahrung mit psychisch kranken Menschen, ist der Umgang mit Depressionen und Ängsten niemals so witzig, wie eben beschrieben. Ich kann dieses Buch nur mit geringer Bewertung weiterempfehlen.



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