Zafon, Carlos Ruiz: Der Schatten des Windes

verfasst am 27.03.2009 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Zafon, Carlos Ruiz

zafon-schatten-des-windesUsted se perdió por un laberinto una vez?
Usted deberia leer este libro definitivamente en español, pero cuánta gente realmente habla español?
Bei Carlos Ruiz Zafons Erstlingswerk „Der Schatten des Windes“ für das er den Barry-Award bekam, kann ihnen das leicht passieren. Um aber die Orientierung zu verlieren müssen sie erst mal in das Labyrinth eintreten – nun dann nur Mut!

Im Sommers 1945 wird der zehnjährige Daniel Sempere von seinem Vater, einem auf antiquarische Bücher spezialisierten Buchhändler in Barcelona, zum „Friedhof der Vergessenen Bücher“ mitgenommen, einer geheimnisvollen, labyrinthartigen Bibliothek. Beim ersten Besuch darf Daniel, einem Brauch gemäß, sich ein Buch aussuchen, für das er sich dann sein ganzes Leben lang verantwortlich fühlen muss.
Er wählt einen Roman des unbekannten Autors Julian Carax mit dem Titel „Der Schatten des Windes“ und die Lektüre des Buches zieht Daniel sofort unwiderstehlich in ihren Bann.

Von Gustavo Barcelo, einem mit seinem Vater befreundeten Buchhändler, erfährt Daniel, dass alle Exemplare des Buches bis auf dieses eine verbrannt seien. Daniel verliebt sich bei seinen Besuchen in die blinde Clara, die Nichte von Gustavo Barcelo und schenkt ihr das Buch. Nachdem er aber auf der Straße von einem bedrohlich aussehenden Fremden auf das Buch angesprochen wird, schleicht sich Daniel in Barcelos Wohnung, um es Clara heimlich wegzunehmen und im Labyrinth des „Friedhofs der vergessenen Bücher“ wieder in Sicherheit zu bringen.

In dieser Nacht trifft er auch auf Fermin Romero de Torres, einen sehr gebildeten Bettler, der sich lebhaft für Bücher interessiert. Daniel überredet seinen Vater, Fermin in der Buchhandlung anzustellen, die beiden werden Freunde und Fermin hilft Daniel bei den Nachforschungen über Julian Carax.

Durch die schrittweise Aufdeckung der Lebensgeschichte des Autors verbinden sich der moralische Verfall und ungesühnte Verbrechen der Zeit um 1920 mit den Verbrechen aus dem spanischen Bürgerkrieg nach 1936 und der Franco-Diktatur nach 1945.
Diese Schatten verfolgen die Protagonisten, allen voran den überragend gezeichneten Fermin über Generationen hinweg und bedeuten für die beide schließlich große Lebensgefahr.

Dieses Buch ist wie ein Labyrinth, ein faszinierendes Labyrinth! Je weiter man eindringt, desto mehr verirrt man sich und ist sogar glücklich, eigentlich fasziniert darüber und möchte einfach nur mehr weitergehen. Die Sprache und die überaus präzise Zeichnung der handelnden Personen erhebt es aus dem Einheitsbrei der modernen Literatur, es ist eine Augenweide, wenn man laut liest auch eine Ohrenweide. Man fühlt sich selbst bedroht, wenn die Schatten aus den Schatten treten und man sich nach Lichtquellen umsieht, aber keine ausmachen kann. Über allem ist ein Netz gespannt und dieses Netz wurde aus den beiden bedeutendsten Themen der Menschheit geflochten, der Liebe und dem Tod!

Übrigens die ersten beiden Sätze lauten: Haben sie sich schon einmal in einem Labyrinth verirrt? Sie sollten dieses Buch unbedingt auf spanisch lesen, aber wer spricht denn schon spanisch?“

Auch wenn sie nicht spanisch sprechen, sollten sie es lesen!
Sie werden mir hoffentlich ewig dankbar sein dafür.




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