Zudeick, Peter: Ich bejahe diese Frage mit Ja

verfasst am 26.05.2011 von | 1 Kommentar
Rubriken: Satire, Zudeik, Peter

Der Satz “Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder“, ersonnen und gesprochen von Franz Josef Strauß, dem legendären bayrischen Volkstribunen, hat den Hörfunkjournalisten Peter Zudeik angesteckt, ihn „von Tiefe und Schönheit der politischen Sprache derart überzeugt“, dass er zum Sammler und Interpret von Politikeraussagen wurde.

Mir persönlich wurde unser ehrwürdiger, nicht minder legendenumwobener, ehemaliger Bundeskanzler Alfred „Fredi“ Sinowatz zum Verhängnis, der neben vielen erinnerungswürdigen Aussagen einst postulierte: “Alles ist so kompliziert!“ Recht hat er, habe ich mir gedacht und dafür hat unserer er nur vier Wörter gebraucht. Genial!

Peter Zudeik analysiert den Output der Politikmaschinerie in Deutschland der letzten 25 Jahre und im Gegensatz zu Österreich muss man anerkennend sagen, da ging es ja nicht um nichts.

Sie werden vielleicht einwenden, aber hallo (Rufzeichen), und was ist mit unserem Beitritt zur Europäischen Union? Ja, eh schön und gut, aber hätten wir ein Loch mitten im schönsten Europa bilden sollen? Eine rote, schwarze oder rotschwarze Einbuchtung, je nachdem wohin die Mehrheit sich gerade neigt?

Dagegen unsere Nachbarn, mein lieber Schwan: die Deutsche Einheit, der Aufbau Ost, die Deutsche Wehrmacht wieder im Auslandseinsatz oder der Umzug von Bonn nach Berlin – ja, da mussten echte Entscheidungen getroffen werden, so was musste man begründen und ich sage ja, da muss auch darüber gesprochen werden – leider!

„Befruchtung ist keine Einbahnstrasse“ meinte der wohl einst berühmteste deutsche Tourist in Österreich. Und natürlich verdient er besonderes Augenmerk, der Helmut Kohl, der Mythos, der Vereinigungskanzler, aber vor allem der Sprachkünstler in ihm. „Ich bejahe diese Frage mit ja!“, würde er selbst doppelt unterstützend beipflichten.

Seinen Kritikern beschied er einst „Wer als Kirchturm auf dem Dach sitzt, den umwehen viele Winde.“ Hui, da ist man echt baff, denn da ist ja richtige Poesie drinnen! Die Birne aus Oggersheim dominierte jahrzehntelang die politische Szenerie und ist ein lebendes Beispiel für den Merksatz, das Ausnahmen die Regel bestätigen, nämlich das uns die Deutschen rhetorisch so sehr überlegen wären.

Ganz anders Gerhard Schröder, der ABC-Kanzler (Armani, Brioni, Cohiba), der fleischgewordene Event (Moment! Da hat unser Wickerl Klima aber auch noch ein Wörtchen mitzureden!) und ein so herrlich arroganter Mensch.

„Das Phänomen Gerhard Schröder ist das Phänomen Guildo Horn.“, hat Guido Westerwelle einst gesagt. Kaum zu glauben, da hat er wirklich mal recht gehabt der Tollpatsch, der Guido. Und dann sind da auch noch die Hillu, die Doris und all die blutjungen Studentinnen vom Joschka Fischer. Hach, da war was los und alle andauernd im Einsatz.

Last but not least gibt es natürlich auch ein Kapitel über die aktuelle Kanzlerin Angela Merkel, von ihren Landleuten liebevoll Angi (ausgesprochen Ändschie) genannt, die angehende Maria Schaumayer aus den (ost)deutschen Landen. „Ich habe gewisse kamelartige Eigenschaften“, sagt sie über sich selbst – als ob wir das nicht schon längst wüssten – und weiter: „Frauen sind wie Teebeutel. Du weißt nicht, wie stark sie sind, bis du sie ins heiße Wasser tauchst.“

Diesen Satz hat die Merkelin allerdings von der Hillary Clinton geklaut. Die amerikanische Außenministerin entwand ihn Margaret Thatcher und die „eiserne Lady“ von einer noch härteren Dame, nämlich Eleanor Roosevelt. Also schon wieder ein Plagiat! Dies sollte jedoch nicht davon ablenken, die Frage nach dem Sinn dieses Satzes zu stellen.

„Ich möchte auf die Damen einen Trinkspruch ausbringen, auf die Mütter, ohne die es keine Enkel gibt.“, würde der alte Kohl sagen und hat es auch so gesagt und dabei mühelos eine Generation übersprungen.

Ergänzt werden „die famosen Leistungen unserer Damen und Herren Politiker“ durch Betrachtungen über den parlamentarischen Alltag und die dazugehörigen Wortmeldungen.

Zudeik führt eine locker-leichte Feder und präsentiert seine satirischen Beiträge in bekömmlichen Häppchen von maximal zwei Seiten. Für Kenner der deutschen Politszene gar köstlich, aber auch für Non-Insider eine humorige Angelegenheit.

Herrlich uninspiriert im Vergleich zum Inhalt dagegen das Cover des Buches. Darauf abgebildet der Autor, wie er sich den Kopf reibt, so wie wenn er gerade eine Kopfnuss bekommen hätte. Deutsche und die Kreativität, eine Liebesbeziehung wird da nicht mehr draus.

Zum Abschluss, quasi Ladies last, nochmals die „Landpomeranze aus Vorpommern“ im Kanzleramt (sie ist ausgebildete Physikerin) in einer ihrer raren philosophischen Momente: „Der Staat muss Gärtner sein und darf nicht Zaun sein.“

Tja, das hätte ich auch nicht schöner sagen können.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Sündi am 27.05.2011 um 09:20 Uhr Uhr

    Kleiner Nachtrag:

    Nachdem mir bereits gestern (!) die Frage gestellt wurde, ob auch ein Kapitel über Guido Westwelle handelt, muss ich nun handeln und verkünden, dass dem nicht der Fall ist. George Dabblju brabbelte ja einst who zum fuck dieser Welle is, oder etwas Ähnliches.

    Soweit möchte ich nicht gehen, aber aus meinem Herzen trotzdem keine Mördergrube machen und mitteilen, dass ich ihn deshalb kaum erwähnt habe, weil ich stillschweigend annahm, ein satirisches Politbuch & Guido Westerwelle, das ist eine Verbindung wie Pech & Schwefel, Dick & Doof oder meinetwegen Laura & Rudas.

    Selbstverständlich gibt es jede Menge Beiträge über ihn und wo er gerade mal nicht vorkommt, dort weht sein Geist.

    I am everywhere, würde er selbst wahrscheinlich sagen. Oder doch anywhere?

Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top