Traxler, Hans: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel

verfasst am 01.03.2009 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Humor, Traxler, Hans

traxler-haensel-gretelIm Leben eines jeden Kindes kommt einmal die Stunde, an der es an der Realität von Rotkäppchen und dem bösen Wolf zu zweifeln beginnt. So auch Georg Ossegg.

Georg Ossegg, geboren 1919 in Prag, bekam als kleiner Knabe von seinen Großeltern eine schöne illustrierte Ausgabe der Grimmschen Märchen. Er versuchte schon als 11jähriger, einem Märchen auf den Grund zu gehen.  Er wollte experimentell den Nachweis dafür erbringen, dass der süße Brei, wenn er nur lange genug kocht, sich so verhält, wie es die Brüder Grimm beschrieben haben: „Also kocht es fort, und der Breit steigt über den Rand hinaus und kocht immerzu, die Küche und das ganze Haus voll, und dann das zweite Haus und die Straße, als wollts die ganze Welt satt machen …“ Dieser Versuch scheiterte kläglich, endete mit verpesteter Luft und völlig verkohlten Kochtopf. Von dem legendären Wachstum in Grimms Märchen konnte keine Rede sein.

1932 besuchte Georg Ossegg das Realgymnasium. Dort überraschte er seinen Geschichtslehrer mit einer gewagten These: König Drosselbart sei in Wahrheit der deutsche Kaiser und letzte Ritter Maximilian I. gewesen. Für dieser Anmaßung bekam er eine heftige Rüge und das schien ihm vorerst eine Lehre für die Zukunft gewesen zu sein. Er ließ die Märchen auf sich bewenden.

Doch 1962 wendet sich die Geschichte neuerlich. Ossegg wird als Mittelschullehrer an ein Aschaffenburger Gymnasium versetzt. Nun war er genau in jener Gegend gelandet, in der Grimms Märchen sich zugetragen haben sollten.

Georg Ossegg beginnt neuerlich und eher zufällig mit seiner Recherche. Der Märchenforscher kommt hinter die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel. Diese ist ja eigentlich ein ungeklärter Krimifall. Es geht es um frühkapitalistische Herrschaft und Gier, Hexenverbrennung, Lebkuchen und geheime Rezepturen. Und es geht um die miesen Tricks des Bäckers Hans Metzler und seine Schwester Grete und ihrer Gier reich zu werden …

Ein wirklich gewagter archöologischer Forschungsbericht über Hexenhaus und Hexenwälder… sehr witzig und die Werte und Lebenseinstellungen, die mir meine Eltern und LehrerInnen vermitteln wollten (Bescheidenheit, Armut, Vertrauen u.v.a.), die hab ich nicht gefunden… Dafür Ahnungen über die Anfänge von Neoliberalismus, Patentrechte… Wirklich überraschend sind auch die Illustrationen.


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