Buchbesprechung/Rezension:

David Hewson: Die Medici-Morde
Ein Venedig-Krimi

Die Medici-Morde
verfasst am 23.02.2024 | 1 Kommentar

Autorin/Autor: Hewson, David
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

500 Jahre in der Vergangenheit und noch immer wirkt ein Verbrechen nach: im Jänner des Jahres 1537 ermordete Lorenzino de’ Medici in Florenz seinen Cousin Alessandro de’ Medici und wurde selbst im Jahr 1548 aus Rache für diesen Mord in Venedig ermordet. Nun sollen neue Dokumente aufgetaucht sein, deren Inhalt ein völlig neues Bild der damaligen Vorgänge zeichnet.

In Venedig kommt es zu einem Treffen von Historikerinnen und Historikern, die von Marmaduke Godolphin dorthin beordert wurden, nachdem ihm diese Dokumente aus dem Nachlass eines Sammlers überlassen worden waren. Godolphin ist ein bekannter Professor, der sich zwar schon lange nicht mehr wissenschaftlich betätigt, durch seine Bücher und Fernsehdokumentationen aber über die Maßen einflussreich und berühmt wurde – und selbstherrlich dazu. In so einer Position umgibt er sich mit Gefolgsleuten, die die Arbeit erledigen, darunter seine Frau, sein Sohn und drei seiner ehemaligen Studenten aus Cambridge. Den Ruhm aber heimst immer nur der berühmte Mann ein, die anderen bleiben im Hintergrund und sind dessen Launen ausgeliefert. Denn wer sich mit Godolphin anlegt, dem kann er ganz leicht, dank seiner Verbindungen, die Zukunft verbauen.

In der Lagunenstadt lebt seit kurzem auch Arnold Clover, der, nunmehr im Ruhestand, im Auftrag von Godolphin diese neuen Dokumente sichten soll. Dass er dafür der richtige ist, steht außer Frage, denn Clover hatte jahrzehntelang als Archivar gearbeitet. Aber warum hatte Godolphin ausgerechnet ihn dafür engagiert? In der lange zurückliegenden gemeinsamen Studienzeit in Cambridge hatten die beiden kaum miteinander zu tun und Clover blieb damals immer so unauffällig, dass sich tatsächlich kaum jemand an ihn erinnern kann.

Für Godolphin soll es ein neuer Höhepunkt in seiner Karriere werden, nachdem es in den zurückliegenden Jahren ruhiger um ihn geworden war. Er plant eine Enthüllung, mit der er allen beweisen würde, dass er noch immer der beste ist. Doch es endet mit seinem Tod, ermordet ganz im Stil der Medici; und es gibt viele, die ein ausreichendes Motiv für die Tat haben.

Die Ermittlung in Venedig leitet Signora Capitano Valentina Fabbri von den Carabinieri, die Clover bittet, sie dabei zu unterstützen. Eile ist geboten, denn wenn das Verbrechen nicht rasch aufgeklärt wird, muss sie den Fall an Ermittler von außerhalb abgeben.

Clover berichtet sehr detailliert von Tagen und Stunden vor dem Mord. Von der ersten Begegnung mit den Beteiligten, bis zu der Inszenierung, die Godolphin quasi als Ouvertüre zu der Suche nach den Beweisen für völlig neue Erkenntnisse rund um die alten Mordfälle geplant hatte. Alle wurden Zeugen einer überaus realistischen und dramatischen Vorstellung. Dann führte Clover die Gäste an interessante Orte der Stadt, die man als Tourist sonst nicht zu sehen bekommt. Und dann der Bericht über die Sichtung der Unterlagen und zu welchen Ergebnissen Clover gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Lica kam.

Währenddessen bleiben die anderen Beteiligten in Gewahrsam der Carabinieri, denn einmal abgereist, wird man des Täters wohl nie mehr habhaft werden.

Ein sehr alter und ein neuer Kriminalfall

Einen umfangreichen Teil des Romanes nehmen der Bericht über das Geschehen rund um die Medici-Morde und das historische Rätsel ein. Was davon belegt und was davon fantasievolle Ergänzung ist, das lässt muss man selbst herausfinden. Es ist aber auch gar nicht wichtig, das zu erkennen, denn die Erzählung darüber liest sich wie ein packender historischer Krimi, man muss gar nicht so genau wissen, was davon wahr und was erfunden ist. So viel aber kann man verraten: falls Godolphins Annahme richtig ist, und die Dokumente wirklich die Beweise für einen neuen Hintergrund der Morde liefern, dann wäre das wirklich eine Sensation!

Damit aber nicht genug der Rätsel, es gibt noch anderes, das zu klären ist.

Alles ist so geschickt miteinander verwoben, dass man gar nicht anders kann, als mitzufiebern, ob Clover tatsächlich Beweise findet. Dabei vergesse ich völlig, dass man von so einer sensationellen Entdeckung wohl schon gelesen hätte, wäre sie wahr. Doch vielleicht ist in diesen Roman vielleicht doch eine neue Entdeckung über die Vorgänge in der Renaissance-Zeit verborgen? Wer weiß das schon …

Das historische Rätsel, der Mord an Godolphin – hängt das alles zusammen oder liest man doch nur über das zufällige zeitliche Zusammentreffen von Ereignissen, die gar nichts miteinander zu tun haben?

Ein wirklich außergewöhnlich raffiniert und durchdacht konstruierter Kriminalroman. Das alles so überzeugend hineingebettet in das trübe Venedig zur Zeit des Karnevals, dass man sich förmlich in die Atmosphäre der Stadt hineinversetzt fühlt.

“Die Medici-Morde”steht natürlich auf meiner persönlichen Liste der Top-Neuerscheinungen des Jahres 2024.




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