Buchbesprechung/Rezension:

Remigiusz Mróz: Bis zum Ende
Die Suche nach Ewa, Band 2


verfasst am 15.07.2020 von | 2 Kommentare
Rubriken: Mróz, Remigiusz, Thriller
LiteraturBlog Bewertung:

Die Fortsetzung von „Die kalten Sekunden“. Wer diesen ersten Teil nicht nur gelesen, sondern auch noch detailliert in Erinnerung hat, ist beim Lesen dieses zweiten Teiles definitiv im Vorteil. Denn eines ist sicher: dieser Thriller ist sehr bewusst verwirrend und man kann froh sein, zumindest ein paar der Zusammenhänge gleich zu verstehen.

So viel weiß ich noch vom ersten Teil: das ist ein großartiger Thriller, der es wirklich in sich hat. Remigiusz Mróz erzählt die sehr komplexe Story in „Bis zum Ende“ jetzt nahtlos weiter. Zu Beginn bin ich hauptsächlich verwirrt, es fehlen mir die Zusammenhänge, weil mir die meistens Details aus Buch 1 nicht mehr geläufig sind. Und doch bin ich schon nach wenigen Sätzen gespannt – in Erwartung von etwas, das ich noch nicht überblicken kann, das aber Nervenkitzel verspricht.

Kasandra Reimann hat Damian Werner auf die schlimmste Art und Wiese hintergangen. Anstatt dessen seit mehr als 10 Jahren verschwundene Verlobte Ewa zu suchen, hat sie sich selbst als diese ausgegeben. Diese alte Geschichte scheint längst vorbei, doch als Kasandras Sohn Wojtek entführt wird, sucht sie Damian auf. Zunächst, weil sie glaubt, dass dieser sich rächen möchte und der Entführer ist; dann, als sie erkennt, dass sie sich irrt, um mit Damains Hilfe ihren Sohn zu finden.

Remigiusz Mróz (oder die Übersetzer) wechselt bei der Erwähnung der Protagonisten nach meinem Geschmack viel zu oft zwischen Vor-, Spitz- und Nachnamen, oft in einem Satz hin und  her, sodass man manchmal glauben kann, es handelt sich mehrere Personen. Ein und die selbe Person heisst als kurz hintereinander also Wern, Werner oder Damian; oder Blitz, Blitzer oder Blitzkrieg; oder Jola oder Kliza (und noch viele mehr). Diese Zusatz-Verwirrung ist aus meiner Sicht überflüssig, die Story an sich fordert mich als Leser schon zur Genüge. Wer jetzt keine Vorkenntnisse vom ersten Roman hat, wird wahrscheinlich schon aufgeben, denn man findet sich kaum zurecht in der Zuordnung von Namen und Handlungen.

Es tauchen Namen und Personen aus der Vergangenheit aus und Damian „Wern“ Werner macht sich auf den Weg, um endlich ein altes Rätsel zu lösen. Das Rätsel, ob Ewa noch lebt, oder ob sie, wie auch die Polizei versichert, längst tot ist. Weil die Integrität aller dieser Personen unklar ist, weil man zu keinem Zeitpunkt auch nur ahnen kann, wer ehrlich ist oder wer nur eine weitere, neue Intrige spinnt, bleibt alles in der Schwebe. Kaum scheint sich in eine Richtung etwas abzuzeichnen, kommt aus der anderen Richtung schon die gegenteilige Information.

Jedenfalls muss es enorm viel Arbeit für Remigiusz Mróz gewesen sein, den Überblick über seine ineinander verwobenen Handlungsebenen zu behalten. Mir gelingt das jedenfalls oft nicht, immer wieder tauchen Inhalte auf, die man nur dann problemlos einordnen könnte, wenn man neben dem Lesen zugleich auch ein Organigramm zeichnet.

Die Spuren führen Damian und die Detektivin Jola Kliza noch weiter zurück in die Vergangenheit. In die Zeit, als Ewa einen Teil ihres Lebens vor Damian verbarg und als in einer Jugendgruppe der Kirche etwas geschehen sein musste, das für alle, die davon wissen, bis in die Gegenwart zur bleibenden Last wurde. Neue Namen tauchen in der Geschichte auf, die man niemandem zuordnen kann, oder die irgendwo schon erwähnt wurden, aber man hat sie sich nicht gemerkt.

Beinahe 300 Seiten dauert es, bis sich aus den vielen kleinen Teilen langsam ein erkenntbares Bild entwickelt. Aber zu keinem Zeitpunkt darf man als LeserIn glauben, nun wäre alles geklärt – eine neuerliche unerwartete Wendung ist jederzeit möglich.

Fazit:
Ein über-konstruierter Thriller. Wenn man als Leser immer wieder den Überblick verliert, dann geht ganz einfach ein Teil der möglichen Spannung verloren. Negativ ist auch, dass man ohne den ersten Roman diesen zweiten kaum lesen kann.

Die letzten 100 Seiten entschädigen für die vorangegangenen Mühen beim Lesen;  aus „Bis zum Ende“ wird noch ein ziemlich guter Thriller – der aber aber bei weitem nicht an den ersten heran kommt.




RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 2 Kommentare


  • Kommentar von  Andreas am 03.09.2022 um 13:17 Uhr

    Ich bin ehrlich: außer an den Umstand, dass ich dieses Buch als viel zu verwirrend empfunden habe, kann ich mich an nichts mehr daraus erinnern.

    Somit bin ich leider auch nicht in der Lage, Hinweise zur Handlung zu geben; außer jenem, dass die Lektüre des ersten Romans dieser Reihe zum Verständnis des zweiten beinahe zwingend erforderlich ist

  • Kommentar von  Fred Feuerstein am 03.09.2022 um 11:13 Uhr

    Guten Tag!
    Eine schöne Rezension!
    Allgemein liest man sehr wenig über dieses Buch im Internet. Hier wurde ich fündig.

    Ich habe das Ende möglicherweise nicht ganz verstanden.
    Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte jetzt lieber nicht weiterlesen.


    Zum Ende hin greift Eva Kasandra mit einem Messer an und sagt ihr,
    es wäre ihr leicht aufgefallen, dass sich die Namen Kajman und Reimann ähneln.

    Das hat mich sehr verwirrt. Der Author klärt nicht gänzlich auf, ob nun Evas oder Kasandras Geschichte die Wahrheit ist oder gar keine von beiden.
    Kajman und Reimann müssen verschiedene Charaktere gewesen sein. Nur sehe ich die Verbindung nicht. Eva hat sicher nicht gegen Reimann ausgesagt. Es wirkt so, als sei Kajman nur ausgedacht, wobei die Handlung am Ende seine Existenz im Grunde bestätigt. Oder nicht?
    Das hat mich total abgeschossen.
    Haben Sie das Buch verstanden? Können Sie mir das Ende erklären? Es ist mir ein Rätsel.
    Zumal die Zusammenarbeit von Eva und Kasandra mir sowieso unschlüssig ist. Und die Geschehenisse in der Kapla reichen aus meiner Sicht nicht für das Versteckspiel aus.

    Ich stimme Ihnen zu: Es ist über-konstruiert und soll auf Zwang einen „Wow“-Effekt oder Plot-Twist-Feeling erzeugen.

    Beste Grüße!


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