Michael Horowitz. Otto Schenk: Schenk. Das Buch
Ein intimes Lebensbild

verfasst am 10.05.2020 von | 1 Kommentar
Rubriken: Biographie, Horowitz, Michael, Schenk, Otto

Mit jeder Seite wächst mir dieses Buch mehr ans Herz: Otto Schenk ist seit Jahrzehnten ein Gradmesser für Humor, Schauspielerei und Regiearbeit. Auch wenn er im Juni 2020 schon 90 Jahre alt wird, so ist er für mich doch einer jener Menschen, die zeitlos sind und niemals altern.

In den Kapiteln, die Schenk selbst geschrieben hat, lässt sich beim Lesen seine immer leicht brüchig wirkende Stimme vernehmen, sein zögerliches Formulieren. Das ist, als ob er hier selbst vorliest. Dieser Abschnitt ist zwar eine Autobiographie, aber weit entfernt, eine herkömmliche Lebens-Chronik zu sein.

Vielmehr lässt sich in den kurzen Sequenzen unglaublich viel über den Menschen Otto Schenk erfahren – wie viel man auch bisher schon wusste, es wird sicher einiges dabei sein, das neu ist, und einiges davon auch unglaublich witzig. Traurig ist es dann, wenn er darüber erzählt, mit wem er arbeitete,und wem er begegnete, über Freunde und Kollegen – denn die meisten seiner Weggefährtinnen und Weggefährten sind nicht mehr am Leben; das kann wohl nicht ausbleiben, wenn man seinen 90. Geburtstag feiert.

Mit Fotografien aus seinem Familienalbum geht es weiter. Und gleich eines der ersten Bilder – aus dem Jahr 1931, Klein-Otto im „Kinderwagenersatz“ – zeigt den 1-jährigen der dem erwachsenen Mann schon unglaublich ähnlich sieht. Ein sichtlich früh geübter Gesichtsausdruck, den wir bis heute immer wieder zu sehen bekommen. Es ist ein sehr passende Auswahl an Bildern, die zeigen, wie aus dem kleiner der große Schenk wurde.

Solange ich mich erinnern kann, gab es „den Schenk“. Immer wenn (jetzt vorrangig auf ORF III) eine Aufführung, eine Dokumentation oder ein Film mit und über Otto Schenk zu sehen ist, versuche ich die Zeit zu finden, es mir anzusehen. Denn viele dieser älteren Filme sind großartige Erinnerung an frühere Zeiten, als ich schon als Kind mit Begeisterung diese „Blödeleien“ (wie Schenk sie selbst bezeichnet) mit Alfred Böhm, Helmut Lohner oder einer/einem seiner unzähligen anderen Spiel-PartnerInnen ansah.

Ihre Erinnerungen an Gemeinsames mit Otto Schenk teilen im Buch Marianne Nentwich, Heinz Marecek, Erwin Steinhauer, Rudolf Buchbinder, Hilde Dalik und Michael Niavarani. Eingerahmt sind diese Kapitel von vielen Bildern von Otto Schenk mit den Menschen seines Lebens. Es ist ein Galerie, die Wehmut und Freude zugleich aufkommen lässt. Wehmut, weil so viele der hier Abgebildeten nicht mehr am Lebens sind und Freude, weil es eine Galerie der großartigen und vielfach legendären Künstler ist; und zu beinahe jeder und jedem Bild kann ich mich an die Stimmen erinnern – die alten Fotografien werden dann richtig lebendig …

Eine Biographie, die unglaublich viel Emotionen und Atmosphäre mitbringt. Das passt genau zu dem großartigen Menschen Otto Schenk, der für jedes seiner Lebensalter eine passende Rolle gefunden hat, in der er sein Generationen übergreifendes Publikum bis heute begeistern kann.

Und zum Abschluß:
Dieses kleine Gedicht von Ringelnatz, das ich vor vielen Jahren aus einer Schenk-Lesung wie einen Ohrwurm mitnahm, der niemals verstummen wird (und ganz allgmein auch quasi zum Markenzeichen des Otto Schenk wurde).
„… Publikum noch stundenlang
wartete auf Bumerang.“



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  doris stratmann am 11.05.2020 um 13:08 Uhr Uhr

    Dieser Rezension kann ich nur voll und ganz zustimmen.
    Otto Schenk, ein mit „allen Wassern gewaschener“ Künstler, ob Film, Fernsehen, Oper, Bücher, er beherrscht jedes dieser Genres. Besonders liebenswert bei seinen Auftritten, fand ich seine non verbale Sprache. Sein oftmaliges Herumgefuchtel mit den Armen bei seinen Lesungen unterstrich/unterstreicht sein „Hineinkriechen“ in den Text. Dazu die Anpassung seiner Stimme an die jeweilige Situation – ein himmlisches Vergnügen, mit einem tänzerischen Höhepunkt als Prima Ballerina. Erfreulich an dem Buch ist auch, dass viele seiner ehemaligen Freunde, Kollegen in den Abbildungen wieder zu finden sind. Leider sind schon viele seiner Weggefährten nicht mehr unter uns. Einer seiner genialsten Partner war wohl der Helmut Lohner.
    Möge uns der „Otti“ noch lange erhalten bleiben.

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